Der Salzlandkreis geht auf die Welt zu

Der Salzlandkreis hat gerade sein zehnjähriges Bestehen mit einem großen Bürgerfest gefeiert. 2007 entstand er aus den früheren Landkreisen  Bernburg, Aschersleben-Staßfurt und Schönebeck. Der noch junge Landkreis liegt nicht nur in der Mitte Sachsen-Anhalts zwischen Magdeburg und Halle, sondern ist auch die Heimat zahlreicher wichtiger Unternehmen, die in alle Welt exportieren.

Markus Bauer, Landrat des Salzlandkreises von Sachsen-Anhalt warb auf der Weltausstellung EXPO 2017 in Astana in Kasachstan für den Wirtschaftsstandort seines Landkreises. Foto: SLK Pressestelle

Sie liegen Landrat Markus Bauer besonders am Herzen, denn die Wirtschaft im Salzlandkreis hat nicht nur für seinen unmittelbaren Wirkungskreis, sondern für das gesamte Bundesland Sachsen-Anhalt Bedeutung. Um für seine Region zu werben und deren Potentiale vorzustellen, dafür nimmt der 46-jährige, in Calbe geboren und stellvertretender Landesvorsitzender der SPD, weite Wege in Kauf. In diesen Tagen ist er gerade von einer Reise mit einer Wirtschaftsdelegation nach Astana in Kasachstan zurückgekehrt, wo gerade die Weltausstellung EXPO 2017 zu Ende gegangen ist. Mit im Koffer hatte er eine mehrsprachige Sonderausgabe, darunter auch in Russisch, „Salzlandkreis – Wirtschaft International“.

aspekt: Warum gerade Astana in Kasachstan?

Markus Bauer: Dafür gibt es eine ganze Reihe von Gründen. Da ist zum einen die Weltausstellung. Wann hat ein Landkreis schon mal die Möglichkeit, seine wirtschaftlichen Potentiale, seine Gewerbegebiete, die Schönheit der Landschaft und vieles andere weit mehr als 100 Nationen mit einer Reise vorzustellen? Solche Chancen, auf die Welt zuzugehen, muss man nutzen. Wer nur zu Hause auf Investoren wartet, wird kaum seine Möglichkeiten nutzen können. Die Publikation ist pünktlich durch den Anlass der Reise entstanden, liegt als konkretes Produkt nun vor und ist nutzbar.

Durch die Zusammenarbeit konnten die Beziehungen innerhalb des Salzlandkreises gestärkt werden. Das Projekt erweitert zudem die Außenwirkung maßgeblich, denn der Salzlandkreis präsentiert sich nun auf Englisch, Deutsch und Russisch auf dem internationalen Markt. Dieser Schub in die Mehrsprachigkeit war für eine zeitgemäße Präsentation des Standortes absolut notwendig und ist auch zukünftig von Vorteil. Davon bin ich überzeugt.

aspekt: Und weiter?

Markus Bauer: Kasachstan ist ein Land im Aufbruch. Hier ergeben sich zahlreiche Chancen für unsere Unternehmen, mit ihrem Knowhow ins Geschäft zu kommen. Das trifft vor allem auf Baubetriebe, aber auch auf Unternehmen des Maschinenbaus, der Internet-Technologien und vieler anderer Wirtschaftsbereiche zu. Dafür galt es, Kontakte zu knüpfen, die sich über kurz oder lang auszahlen werden. Kasachstan ist im Besitz zahlreicher Bodenschätze und Energiequellen, also durchaus kein armes Land.

Nicht zuletzt wird hier sehr viel in Bildung investiert, und da in unserer Delegation auch die Hochschule Anhalt und die Hochschule Merseburg vertreten waren, ergeben sich viele interessante Ansatzpunkte der Kooperation.

aspekt: Sie sind Mitglied des Deutsch-Russischen Forums. Hat vor diesem Hintergrund auch die Tatsache eine Rolle gespielt, dass Kasachstan nach wie vor enge Beziehungen zu Russland hat?

Markus Bauer: Natürlich. Viele Unternehmen im Landkreis haben durch die Sanktionen gegen Russland geschäftliche Einbußen hinnehmen müssen. Die sind darüber alles andere als glücklich. Umso wichtiger ist es, die Kontakte in Richtung Osten nicht abreißen zu lassen, sich immer wieder zu präsentieren, denn es wird auch eine Zeit nach den Sanktionen geben. Und Kasachstan als ehemalige Sowjetrepublik, in der über viele Jahrzehnte Russisch de facto die Amtssprache war, ist eine geeignete Brücke, um die Verbindungen nach Russland wach zu halten. Insofern war es hilfreich und wurde überaus freundlich aufgenommen, dass unsere gemeinsam mit aspekt erstellte Sonderausgabe den Salzlandkreis auch in dieser Sprache vorstellte.

aspekt: Gibt es denn auch andere Landkreise, die solche Möglichkeiten der Eigendarstellung nutzen?

Markus Bauer: Nach meiner Kenntnis sind wir in Sachsen-Anhalt der einzige Landkreis, der solche Möglichkeiten nutzt. Ich erinnere daran, dass wir bereits vor zwei Jahren, zur Weltausstellung in Mailand 2015, mit einer solchen Präsentation vor Ort waren. Der Erfolg, die vielen internationalen Kontakte, die daraus entstanden sind, haben uns gezeigt, dass dieser Weg der richtige ist. Nur wer selbst initiativ ist, kann dauerhaft erfolgreich Politik betreiben.

aspekt: Gibt es dafür ein Beispiel?

Markus Bauer: Sogar mehrere. Da sind die Kontakte auf der deutschen Seite zu den Industrie- und Handelskammern Sachsen-Anhalts, die mit vor Ort waren, zur Investitions- und Marketinggesellschaft des Landes, zur Außenhandelskammer Kasachstans, zur Deutschen Botschaft, die wir besucht haben, und nicht zuletzt zur neuen Wirtschaftsförderungsgesellschaft in Astana, die gerade gegründet wurde. Hier sind wir nun bekannt und politisch präsent.

Prof. Dr. Armin Willingmann, Minister für Wirtschaft, Wissenschaft und Digitalisierung des Landes Sachsen Anhalt (li.) und Markus Bauer, Landrat des Salzlandkreises und stellvertretender SPD-Landesvorsitzender Sachsen-Anhalt, präsentieren innerhalb des Besuches einer Wirtschaftsdelegation der Weltausstellung EXPO 2017 in Astana in Kasachstan die dreisprachige aspekt-Sonderausgabe „Salzlandkreis – Wirtschaft International“.
Foto: SLK-Pressestelle

aspekt: Sie haben die intensiven Bildungsinitiativen Kasachstans angesprochen. Wie kann man dabei kooperieren?

Markus Bauer: Das ist ein ganz wichtiges Thema. An der Hochschule Anhalt studieren 2600 Studenten aus dem Ausland, insgesamt aus 106 Ländern. Darunter sollten künftig auch noch mehr kasachische Studenten sein. Immerhin gibt es bereits drei Kooperationen mit Hochschulen in Kasachstan. Insofern gab es natürlich auch für Professor Dr. Jörg Bagdahn, Präsident der Hochschule, als Mitglied der Delegation ein weites Betätigungsfeld.

Kann man sich einen besseren Botschafter für den Salzlandkreis und seine Möglichkeiten wünschen, als einen ehemaligen Studenten unserer Hochschule, der dann in seiner Heimat Karriere macht? Und schließlich: In der Stadt Almaty, die wir ebenfalls besucht haben, ist die Deutsch-Kasachische Universität mit rund 600 eingeschriebenen Studierenden eine wichtige Bildungsstätte.

aspekt: Was können sie als Politiker aus einer solchen Reise für die Unterstützung der Wirtschaft des Salzlandkreises mitnehmen?

Markus Bauer: Sehr viel. Wirtschaftspolitik ist zwar nur ein Teil der Arbeit eines Landrates, aber ein außerordentlich wichtiger. Und das fängt manchmal einfach nur damit an, dass man zuhört. Welche Probleme bewegen die Unternehmen, die es auf sich genommen haben, mit nach Kasachstan zu fliegen? Welche Ziele haben sie? Welche Schwierigkeiten gibt es? Aufmerksames Zuhören ist die Grundlage für wirksames politisches Handeln. Ich habe die Gründung eines Wirtschaftsbeirates initiiert, in dem Vertreter von Unternehmen aller Größenordnungen aus dem Salzlandkreis vertreten sind. Dieser Beirat soll sich regelmäßig zum Austausch treffen, damit aus der Vernetzung untereinander neue Synergien entstehen. Ich werde meine Möglichkeiten nutzen, um kompetente Gesprächspartner aus der Landes- oder Bundespolitik zur Diskussion einzuladen.

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