Ein Stecktisch und „verrückte“ Ideen

Dass bei den Start-Up Nights der Unternehmerinnen-Akademie BPC immer richtig was los ist, hat sich offenbar rumgesprochen. Auch ohne große Werbung kamen zur dritten Folge rund 100 Teilnehmer zu „Pitch & Pizza“.

Ina Bartik hat mit „Jobs’n More“ ein Jobportal für Studierende eröffnet. Hier wird sie von Dr.Tino Grosche, der durch die Veranstaltung führte, vorgestellt.
Foto:BPC

Es passte alles: Das Wetter, das Werkstatt-Ambiente, die Pizza – und natürlich die tolle Stimmung der rund 100 Gäste bei der dritten Start-Up Night der BPC Unternehmerinnen Akademie im Innovations- und Gründerzentrum in Magdeburg.

Unter dem Motto „Pitch & Pizza“ stellten sich insgesamt sieben junge Frauen und Männer vor, die bereits ihre eigene Firma auf die Füße gestellt haben, oder das für die nächste Zeit planen. Jeder von ihnen hatte gerade mal sechs Minuten Zeit, um zusammen mit einer Videopräsentation seine Idee vorzustellen und die Zuhörer zu überzeugen, dass es genau die Idee ist, auf die man schon lange gewartet hat.

„Frau Ernas loser Lebensmittelpunkt“ ist ein Laden, in dem man unterschiedliche Dinge kaufen kann, natürlich unverpackt. Was im ersten Moment ein bißchen verrückt klingt, hat einen tieferen Sinn. Wer hat sich nicht schon geärgert, dass der größte Teil des Einkaufs Verpackungsmüll war. Das macht Mühe bei der Entsorgung und schadet der Umwelt. Nicht alles muss verpackt sein, meint Sarah Werner und startete eine Crowdfunding Kampagne. Und das recht erfolgreich, denn fast 15 000 Euro hat sie auf diese Weise schon gesammelt. Sobald  die Schwelle von 30 000 Euro überschritten ist, wird der Laden mit den unverpackten Waren in Magdeburg-Stadtfeld eröffnet.

Ina Bartik hat mit „Jobs’n More“ ein Jobportal für Studierende eröffnet. Aus eigener Erfahrung als Studentin der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg weiß sie, dass man bei der Suche nach Studentenjobs meist auf Tipps von guten Freunden angewiesen ist, wenn nicht gerade der Zufall hilft. Das will sie ändern. Studenten können auf ihrer Seite kostenfrei nach Jobs stöbern, auch auf besondere Fähigkeiten oder Kenntnisse verweisen. Besonders kleine Unternehmen, die nicht viel Geld für Zeitungsanzeigen ausgeben können, haben hier auch bei kleiner Geldbörse die Möglichkeit, studentische Aushilfen zu suchen.

Anette Gutbier  bot mit ihrem Start Up Tellington Touch eine Heilmethode für Mensch und Tier an und ließ es nicht bei Worten, sondern griff sich sogleich die ersten Probanden, um sie zu entspannen und auf ihren Vortrag vorzubereiten.

Günter Ulreichs Idee wurde von den Gästen heftig diskutiert. Manche waren begeistert, andere tippten sich mit dem Finger an die Stirn. Aber mitunter muss man als angehender Gründer auch mal eine scheinbar abwegige Idee verfolgen, die sich dann vielleicht als erfolgreich herausstellt. Er will mit dem Unternehmen „The SEE U“ eine Festivaldrohne entwickeln, die bei Großveranstaltungen den Kellner ersetzt. Mit einem personifizierten Armband und einer Bestellung via Smartphone an einen speziell konstruierten Getränkeautomaten wird mit einer Drohne das Gewünschte per GPS punktgenau dem Besteller aus der Luft geliefert. Eine tolle Idee, allein, wenn dann 1000 Drohnen über den Köpfen schwirren, wird man wohl vom Festivalkonzert nicht mehr viel mitbekommen. Aber das ist momentan nicht wichtig – es geht um die Idee.

Weniger ein Start Up als vielmehr eine sehr wichtige Hilfe für ausländische Studenten war, was Ninh Nguyen von der internationalen Organisation „AIESEC“ erzählte. Die betreut  ausländische Teilnehmer für Firmenpraktika. Von den Formalitäten, der Firmensuche, über das Wohnen, die Freizeit und vieles andere mehr kümmern sich die AIESEC-Mitarbeiterinnen. Niemand ist auf sich allein gestellt und bekommt Hilfe.

Vorführung des Stecktisches.
Foto: BPC

„Marvin Zapf + Max Erdmann“, so heißt auch ihr Unternehmen, haben Industriedesign in Magdeburg studiert und einen Stecktisch entwickelt, der blitzschnell ohne eine Schraube oder einen Nagel aufgebaut ist und auseinandergenommen ganz leicht transportiert werden kann. Dazu haben sie während des Studiums leere Räume im Kreativzentrum in der Magdeburger Brandenburger Straße in eine Werkstatt verwandelt und mit sehr wenigen Werkzeugen, viel Engagement und tollen Ideen ihren ersten Tisch konstruiert. Gesagt getan, warteten die beiden bei der Start-Up Night nicht lange, sondern bauten ihr Musterexemplar gleich einmal auf. Die Zuschauer waren begeistert, selbst einer der anwesenden Landtagsabgeordneten ließ es sich nicht nehmen, zu probieren, wie schnell er den Tisch zusammenbauen kann.

Ein paar „böse“ Bemerkungen bekam er dabei auch mit auf den Weg, wie, da könne man mal sehen, dass im Landtag nicht nur das Holz arbeite. Aber das steckte er mit einem Lächeln weg.
Die beiden Industriedesigner suchen nun nach Produzenten für ihren Tisch, denn in ihren Köpfen schwirren schon wieder neue Ideen.

Die Runde der Pitch-Akteure – pitch ist Englisch und hat jede Menge Bedeutungen, wovon die hier gemeinte natürlich „Verkaufspräsentation“ ist – beschloss schließlich Eric Fischer mit dem Unternehmen  „Shift Happens“. Hier geht es vor allem um Organisationsentwicklung und Consulting in Unternehmen, um Mitarbeiterführung, Prozessoptimierung, Resilienz und nicht zuletzt richtige Kommunikation. Diese Aufgaben werden in Unternehmen immer wichtiger, denn letztlich ist die Zufriedenheit mit dem Arbeitsplatz, den Kollegen und den Chefs ein entscheidendes Kriterium für beste Leistungen.

Noch bis spät in die Nacht wurde dann in der Werkstatt des Innovations- und Gründerzentrums feuchtfröhlich gefeiert, zahlreiche Kontakte geknüpft und künftige Geschäfte angebahnt. Und auch ganz wichtig: Von den 40 Pizzen ist kein Krümel übriggeblieben.

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