Magdeburger Puppenspieler am Berliner Ensemble

„Weltverbesserer“ wollen die Puppenspieler des Puppentheaters Magdeburg sein. Zumindest haben sie die neue Spielzeit so überschrieben. Das ist ein hoher Anspruch, aber den ist man von dieser Spielstätte schließlich gewohnt. Intendant Michael Kempchen ist optimistisch, dass dies auch gelingen wird.

Das Puppentheater in Magdeburg. Unter dem Motto „Weltverbesserer“ begeht es seine 59. Spielzeit mit sieben Neuproduktionen, dem Internationalen Figurentheatertestival BLICKWECHSEL, mehreren Gastspielreisen und der neuen Märchen-Sonderausstellung in der FigurenSpielSammlung. Foto: Jens Wolf/dpa/ZB

„Was können wir tun, um die offene Gesellschaft zu verteidigen, den Kindern bei der Suche nach den wahren Werten der Welt zu helfen“, so der Intendant, der damit gleich die gesamte inhaltliche Intention der Spielzeit umrissen hat. Aber auch die harten, die ökonomischen Fakten, stärken ihm den Rücken für seine Pläne. 5000 Besucher mehr als in der letzten Spielzeit 2015/2016, und das, obwohl man eigentlich damals  schon der Meinung war, das mehr kaum möglich ist.

Das Puppentheater Magdeburg begeht in der Spielzeit 2017/18 seine 59. Spielzeit mit sieben Neuproduktionen, dem Internationalen Figurentheatertestival BLICKWECHSEL, mehreren Gastspielreisen und der neuen Märchen‐Sonderausstellung in der FigurenSpielSammlung.
Mit 56 860 Besuchern in 706 Vorstellungen konnte das Haus in der Spielzeit 2016/17 gegenüber den Vorjahren erneut leicht zulegen und steht mit 99,2 Prozent Auslastung mittlerweile an der Grenze seiner Kapazitäten. Mit den Neuproduktionen der Spielzeit 2017/18 „Weltverbesserer“ bezieht das Haus deutlich Position zum Thema, beispielsweise mit Neuinszenierungen wie „Meet me in Moskau“ – einer Weiterführung von Anton Tschechows „Drei Schwestern“ –, in der die von Populisten bemühte Methode, die Antwort auf Scheitern und Versagen im Beschwören des Gestrigen und rückwärts gewandten Denken zu suchen, entlarvt wird.

Foto: Puppentheater Magdeburg

Überhaupt scheinen die Erwachsenen in den Abendvorstellungen des Puppentheaters das Haus immer mehr zu erobern. Michael Kempchen vermeldet ein deutliches Plus in den Abendvorstellungen, gleichzeitig melden immer mehr Schulen und Kindertagesstätten ihren Bedarf für die Vormittagsvorstellungen an. Sowohl von der Mitarbeiterzahl als auch von den Räumlichkeiten sind die Künstler des Puppentheaters trotz aller Kreativität inzwischen an die Grenzen des Möglichen gestoßen.

Nun hofft man auf eine Erweiterung mit der Sanierung des Kutscherhauses an der VillaP, der Figurentheater-Sammlung, die ebenfalls zahlreiche Puppenfreunde alljährlich in ihren Bann zieht. Damit hätten die Puppenspieler dann eine Probenbühne, was wiederum zusätzliche Vorstellungen auf der Hauptbühne ermöglichen würde.
Doch zurück zu den „Weltverbesserern“, wenn es in der Inszenierung „Schimmelreiter“ darum geht, die Kraft des Visionären für die Zukunft zu verdeutlichen und in einer offenen Gesellschaft nutzbar zu machen.
Das Internationale Figurentheaterfestival BLICKWECHSEL erwartet im Juni 2018 wieder mehrere Tausend Besucher und wird zur Eröffnung mit einer „la notte“ an einem Ort abseits des Theaters überraschen. Es wird vom 22.bis 29. Juni stattfinden.

Darüber hinaus wird das Theater viel auf Tour sein und sich dem kritischen Blick des deutschen und internationalen Publikums präsentieren. Besonders freut sich das Ensemble über die Anerkennung, von den eigenen Brettern, die die Welt bedeuten, nunmehr auch die Bretter, die Theatergeschichte schrieben, zu betreten: Mit der Erfolgsproduktion „M – eine Stadt sucht einen Mörder“ gastiert das Ensemble mit drei Vorstellungen am Berliner Ensemble.
Weitere Gastspielstationen sind das Wildwechselfestival in Dresden, die Imaginale in Heilbronn, Mersch (Luxemburg), Frankfurt (Oder), die Gernsbacher Puppenwoche, Wolfenbüttel, Meiningen und noch andere Spielorte. Premieren noch in diesem Jahr waren am 16. September der „Froschkönig“ und werden am 20. Oktober „Meet me in Moskau“ sowie das traditionelle Weihnachtsmärchen für Kinder am 25. November sein. Diesmal gibt es „Cinderella“.

2018 erwartet die Zuschauer am 24. Februar „Ferdinand der Stier“ (ab 4 Jahre), der Schimmelreiter (ab 16 Jahre) am 9. Mai 2018 und natürlich das in jedem Jahr mit Spannung erwartete Hofspektakel „Mozart vs. Salieri, (ab 16 Jahre). Premiere für das ganz besondere Singspiel ist der 23. Juni 2018. Der PuppenSpielClub, der aus puppenspielbegeisterten Kindern und Jugendlichen besteht, wird in Eigenregie das Stück „Wie ich zum besten Schlagzeuger der Welt wurde“ am 12. Mai 2018 zeigen.

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