Die gedruckte Medienlandschaft ist in Aufruhr. Während aspekt und einige andere kleinere Produkte, die sich auf spezielle Themen und Hintergrund konzentrieren, stabil wachsen, sind es die Regionalzeitungen, deren Existenz massiv bedroht ist.

Es war vor wenigen Wochen die Nachricht, dass der Verlag DuMont seine renommierten Zeitungen, wie den Kölner Stadtanzeiger, Express oder die Berliner Zeitung zum Verkauf stellt, die aufhorchen ließ. Man wolle sich von den Regionalseitungen trennen, hieß es. Selbst die Mitteldeutsche Zeitung, die vor allem den Süden unseres Bundeslandes als wichtigste Tageszeitung abdeckt, ist in der Diskussion.

Da wundert es nicht, dass natürlich auch das mehr als 120 Jahre alte Traditionsblatt „Volksstimme“ für das nördliche Sachsen-Anhalt in der Gerüchteküche vorkommt.  Beide zusammen sind Tageszeitungsmonopolisten in Sachsen-Anhalt, die „MZ“ in den Händen von Du Mont, die „Volksstimme“ im Verlag der Bauer-Familie.

Beide haben schon vor Monaten die Strukturen völlig umgekrempelt. Aus den Fachredaktionen wurden größere Einheiten, die nun als selbständige Gesellschaften mit beschränkter Haftung arbeiten. Ebenso die Kreisredaktionen. Damit ist die „Volksstimme“ nun ein Konglomerat aus mehr als 20 GmbH. Namhafte Journalisten, die das nicht wollten, verließen das Medienhaus und suchten neue Tätigkeiten in der Politik oder der Wirtschaft. Das hatte natürlich Auswirkungen auf den Inhalt. Hinzu kamen für alle rückläufige Auflagen und wegbrechende Werbung, die vor allem die Regionalzeitungen schwer getroffen haben.

Doch diese Erscheinung ist nicht nur bei den Regionalzeitungen zu beobachten. Unsere Grafik zeigt, dass ebenso „Bild“ einen existenzbedrohenden Einbruch zu verkraften hat. Die Auflage hat sich drastisch verringert. Der Axel Springer Verlag, dessen Vorstandsvorsitzender schon 2013 neben einigen Magazinen das Hamburger Abendblatt und die Berliner Morgenpost an die Funke-Mediengruppe verkauft hatte, will nun massiv in die Digitalisierung investieren. Ob das ausreicht, die Verluste zu kompensieren, wird von Medienexperten skeptisch gesehen.

Die Werbeeinnahmen in der vernetzten Welt machen nur einen Bruchteil gegenüber der Printwerbung aus. Außerdem kommt man an Google-Werbung mit den speziellen Bedingungen nicht vorbei. Ratlosigkeit greift um sich, denn die Krise der Zeitungen ist dramatisch. Schon jetzt gibt es in vielen Städten nur noch eine einzige Zeitung. Das bedeutet vielfach Meinungsmonopole.

Wenn dann noch die einzige Zeitung wegfällt, entfällt damit auch jegliche Kontrolle kommunaler oder politischer Entwicklungen. Die so genannte „Vierte Macht“ im Staat droht in der Bedeutungslosigkeit zu versinken.

In Deutschland gab es 2018 noch 327 Tageszeitungen mit einer Gesamtauflage von 14,7 Millionen. 1991 hatten die Zeitungen noch eine Auflage von 27,3 Millionen. Ihr Anteil am Werbemarkt liegt bei etwa 15 Prozent.

Zum Vergleich: die ADAC-Zeitschrift, die allerdings über den Mitgliedsbeitrag im Automobilclub bereits bezahlt ist, kann darüber nur schmunzeln. Mit rund 13,5 Millionen Zeitschriften für die etwa 20 Millionen Mitglieder und Anzeigen-Seitenpreisen von deutlich mehr als 100 000 Euro erreichen sie annähernd so viele Leser, wie alle deutschen Tageszeitungen zusammen.

Und trotzdem: Selbst hier ist den ADAC-Bossen das rentable Unternehmen zu teuer. Ab 2020 soll das Heft nur noch drei- bis viermal pro Jahr erscheinen. Außerdem kann es dann beispielsweise an Tankstellen abgeholt werden, das Postporto entfällt. Offenbar gefällt dem ADAC das Modell der Apothekenrundschau.

Blickt man auf die Hintergründe, wird schnell klar, wo man die Einsparpotenziele sieht. Die Verteilung von Gratiszeitungen, Werbeprospekten oder solchen Publikumszeitschriften wie der ADAC-Motorwelt wird einfach zu teuer. Die Mindestlöhne bei den Zustellern machen zu schaffen, außerdem findet man immer weniger Menschen, die sich noch fast in der Nacht auf den Weg machen, um die Briefkästen zu bestücken. Und die Post oder die privaten Post-Anbieter sind zu teuer. Damit stehen auch die Gratiszeitungen über kurz oder lang zur Disposition.

Über die Ursachen der Zeitungskrise ist viel geschrieben worden: Drastische Rückgänge der Anzeigen durch den Wegfall des Rubrikengeschäfts und die Konkurrenz durch Google-Werbung, Desinteresse junger Leser, Informationskonkurrenz durch kostenlose News im Internet und so weiter.

Aber ist das alles? Weshalb wenden sich so viele Menschen von den Zeitungen ab, trauen dem Journalismus häufig nicht mehr über den Weg, halten die Redaktionen für „gelenkt“?

Die „Neue Zürcher Zeitung“, die unangefochten als das Spitzenprodukt im Qualitätsjournalismus gilt, veröffentlichte kürzlich ein Interview mit Matthias Döpfner, dem Vorstandsvorsitzenden von Axel Springer SE und Präsident des Bundesverbandes Deutscher Zeitungsverleger. Darin geht er selbstkritisch mit seine Branche um. Viele Journalisten schrieben nicht für die Leser, sondern für ihre eigene Gattung.

Und dann heißt es an einer Stelle: „Es ist klar, dass Journalisten grösstenteils dem linksliberalen Meinungsspektrum zuzuordnen sind. Das ist kein Klischee, es ist durch Umfragen und Forschung belegt.“ Selbstredend kann man von Döpfner nichts anderes erwarten, aber seine Schlussfolgerung, dass es zu einer Entkoppelung von Medien und Bevölkerung komme, wenn Medien „so verzerrt” die Realität widerspiegelten, gibt zu denken.

Zugleich schreitet die Monopolisierung digitaler inhaltlicher Informationen und Werbung durch Google und Facebook in Siebenmeilenstiefeln fort. Die Erhöhung der Vertriebspreise lässt sich auch nicht unendlich fortsetzen. Sie hat dazu geführt, dass jüngeren Lesern das Zeitunglesen zu teuer geworden ist. Es gibt online genug kostenlose Angebote. Die Verlage stecken in einer Falle, aus der ein Entkommen kaum möglich erscheint.

Ein Blick auf die Nachrichtenportale zeigt das Problem: Die Hauptnachrichten sind alle gleich: Es ist offensichtlich egal, auf welcher App ich Nachrichten lese. Ich sehe im Fernsehen Nachrichten, die ich schon überall gelesen habe. Warum soll ich dann für irgendeine Geschichte zahlen?

Zur Ehrlichkeit gehört, dass auch aspekt häufig diese Frage gestellt wird. Unsere Antwort: Es geht darum, was der Leser wirklich braucht, was ihn berührt, was er wissen will.

Und was ist das? Wir meinen, dass Themen, die andere nicht oder nur in Kurzfassung berühren, bei uns ausführlich behandelt werden. Oft sind es auch Fragen, mit denen sich eine Tageszeitung nie befassen würde. Unsere Ausgabe zu „Groß denken und groß handeln“ war so ein Beispiel, auf das wir sehr viele Reaktionen erhalten haben. Es gibt also Möglichkeiten für den Journalismus, die Leser zu erreichen. Und die Tatsache, dass das Jahr 2018 zu den erfolgreichsten für aspekt seit 2010 gehörte, sagt mehr als 1000 Worte.

Trotzdem geht die Digitalisierung auch an uns nicht vorüber. Neben dem Online-Abo bieten wir seit dieser Ausgabe Beispiele für Augmented Reality. Nach unserer Recherche ist aspekt damit das erste Printmagazin in Deutschland, das diesen Service bietet. Sie wissen nicht, was sich hinter Augmented Reality, kurz AR, verbirgt? Dann vertiefen sie sich am besten in die Seiten 8 und 9 der April-Ausgabe von aspekt.


„Mitteldeutsche“ vor dem Aus

Keine vier Jahre nach dem Tod des Verlegers Alfred Neven DuMont soll die Mediengruppe zerschlagen werden. Die Gesellschafter wollen sich von allen Regionalmedien trennen. Von dem mehrere Jahrhunderte alten Traditionsunternehmen bliebe kaum etwas übrig.

Betroffen sind sowohl der Kölner Stadt-Anzeiger und der Express am Stammsitz in Köln als auch die Berliner Zeitung und der Berliner Kurier in der Hauptstadt, ebenso die Mitteldeutsche Zeitung in Halle sowie die Hamburger Morgenpost – und dazu alle Druckereien, zentralen Services und Anzeigenblätter.

Auf Anfrage teilt eine DuMont-Sprecherin mit, „zu Gerüchten grundsätzlich keine Stellung beziehen“ zu wollen. Doch es geht um mehr als Gerüchte: Die Informationen, der Branchenzeitschrift HORIZONT stammen aus Unterlagen, mit denen die DuMont Mediengruppe die Goetzpartners Corporate Finance GmbH in München beauftragt hat.