Sachsen-Anhalt ist ein Binnenland. Neben vielen tausend angemeldeten Hobby-Anglern gibt’s es nur wenige gewerbliche Fischereibetriebe.

Verglichen mit anderen Bundesländern besitzt Sachsen-Anhalt mit 41.700 Hektar nur eine geringe Wasserfläche. Das sind rund 2 Prozent der Gesamtfläche. Trotzdem verfügt das Land über 23 weit verzweigte Bäche, Flüsse und Kanäle. Experten fassen das unter dem Begriff „Fließgewässersysteme“ zusammen. Der bedeutendste Fluss für Sachsen-Anhalt ist dabei die Elbe. Sie durchfließt das Land auf einer Länge von 303 Kilometern, von Dessau im Süden bis Havelberg im Norden.
Fischwirtschaftsmeister Alexander Marx mit einem Kescher voller Forellen. Die Teichwirtschaft im „Angelland Wüstenjerichow“ kann auf eine über hundertjährige Tradition zurückblicken. Bereits 1903 legte der Referendar und Leutnant a.D. Günther von Wulffen den Grundstein für die Fischzuchtanlage. Nach dem Zweiten Weltkrieg verfiel sie und wurde ab 1983 durch den VEB Binnenfischerei Magdeburg wieder aufgebaut und genutzt. 1993 pachtete Uwe Marx den Betrieb und baute ihn weiter aus. Seit 1996 ist er in Familienbesitz und wird seither von Vater Marx, seiner Frau, die eine dazugehörige Fischgaststätte und den Verkauf betreut, sowie Sohn Alexander geleitet.
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Im 19 Jahrhundert bevölkerten große Mengen von Hecht, Blei oder Barbe, sowie Wanderfische wie Aal, Lachs oder Stör die Elbe. In den letzten 150 Jahren ging diese Vielfalt jedoch stark zurück. Industrieabwässer, Flussbegradigungen, Stauanlagen und natürlich die Schifffahrt gefährdeten die Populationen bis hin zum Verschwinden einiger Arten. Seit 1992 allerdings hat sich die Situation so weit verbessert, dass nun wieder mehr als 40 Arten in Sachsen-Anhalt heimisch sind.
Heute werden etwa 47 Prozent der Gesamtwasserfläche für die Fischerei genutzt. Sachsen-Anhalts Fischereibetriebe fingen oder züchteten im Jahr 2009 rund 626 Tonnen Speisefisch. Wirtschaftlich ist die Binnenfischerei für das Land damit jedoch nur regional von Bedeutung.

Forschung für Fische

Wissenschaftlich betreut wird der Fischereisektor in Sachsen-Anhalt durch das Institut für Binnenfischerei in Potsdam-Sacrow. Hier wird unter anderem erforscht, wie Seen, Fließgewässer und Aquakulturen effizienter, und vor allem ökologisch verträglicher genutzt werden können. Dazu sprachen wir mit Dr. Uwe Brämick, Wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Binnenfischerei e.V.:

aspekt: Wann entstand das Institut für Binnenfischerei?
Uwe Brämick: Das Institut wurde 1992 durch die Länder Brandenburg und Sachsen-Anhalt gegründet.
aspekt: Wie finanziert sich das Institut?
Uwe Brämick: Wir sind ein eingetragener Verein. Die Finanzierung läuft hauptsächlich durch den Haushalt der Länder.
aspekt: Woher erhalten Sie Forschungsaufträge?
Uwe Brämick: Die Projektvergabe erfolgt durch die Landwirtschaftsministerien von Brandenburg und Sachsen-Anhalt sowie durch Fischerei- oder Anglerverbände.
aspekt: Wie lang dauert ein Projekt?
Uwe Brämick: Die Projektdauer beträgt in der Regel ein Jahr. Je nach Fortschritt und Haushaltslage wird dann entschieden, ob das Projekt ein weiteres Jahr fortgesetzt wird.
aspekt: Können sie uns einige Beispiele für Ihre Forschungsarbeit nennen?
Uwe Brämick: Wir untersuchen zum Beispiel Möglichkeiten, die Verunreinigung von Gewässern durch Forellen in Zuchtbetrieben zu vermindern. Wir klären Praxisfragen bei Zucht und Produktion, oder unterstützen die Landesministerien bei der Umsetzung von EU-Richtlinien.
aspekt: Wie viele Leute kümmern sich um die Projekte?
Uwe Brämick: Wir haben 25 bis 28 Mitarbeiter. Die Zahl schwankt durch Praktikanten und Doktoranden.