Tuberkulose ist eine Krankheit, die vermeintlich in unseren Breiten längst überwunden war. Aber weit gefehlt. Jüngste Meldungen über akute Fälle in einer Haftanstalt bei Burg zeigen, dass Tuberkulose vor allem in sozial schwachen und armen Milieus immer wieder auftaucht. Das Institut für Pharmazie an der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg (MLU) gehört zu den führenden Einrichtungen in der Welt beim Kampf gegen die heimtückische Krankheit.

Das Forschungsgebiet von Prof. Dr. Peter Imming ist die Synthese und Testung neuer Wirkstoffe gegen Tuberkulose. Tuberkulose-Keime können ihren Stoffwechsel auch schlafend stellen und so Jahre lang unentdeckt im Organismus von Mensch und Tier überleben. Zum Ausbruch der Krankheit komme es dann, wenn das Immunsystem geschwächt ist, erläutert Imming. Was erklärt, warum Tuberkulose vor allem in sozial schwachen und armen Milieus auftaucht und in von Kriegen geplagten Gegenden.

Imming zeigt auf einer Weltkarte die besonders häufigen Vorkommen dieser Krankheit in den GUS-Staaten und in den afrikanischen Ländern südlich der Sahelzone. Doch durch unser globales Leben ist die ansteckende Krankheit weltweit im Vormarsch. Die Weltgesundheitsorganisation WHO schätzt die Zahl der Infizierten auf zwei Milliarden, das entspräche einem Drittel der Weltbevölkerung. Die Zahl der Opfer wird auf zwei Millionen Tote im Jahr beziffert, was der Tuberkulose den Status der weltweit tödlichsten Infektionskrankheit verleiht.

Tuberkulose

Tuberkulose, auch Schwindsucht oder weiße Pest genannt, gehört zu den schlimmsten Seuchen überhaupt. An keiner anderen behandelbaren Infektionskrankheit sterben so viele Menschen wie an Tuberkulose. Allein im Jahr 2006 sind ihr 1,5 Millionen Menschen zum Opfer gefallen. Insgesamt leiden weltweit 14,4 Millionen Menschen an der schweren Lungenerkrankung, 11,9 Millionen davon in nur 22 Ländern (siehe unsere Grafik). Besonders schlimm trifft es den afrikanischen Kontinent: In Südafrika sind knapp 1000 von je 100 000 Einwohnern betroffen, in der Demokratischen Republik Kongo sind es 645, in Äthiopien 641 und in Mosambik 624 je 100 000 Einwohner. Und längst nicht mehr alle Erkrankungsfälle bekommen die Mediziner in den Griff. Die WHO schätzt, dass bereits 500 000 Tuberkulose-Kranke multiresistente Erreger in sich tragen, d.h. alle bekannten Antibiotika helfen in diesen Fällen nicht mehr. Grafik: dpa

Da multiresistente Stämme ein großes Problem darstellen, ist hier die Kompetenz des namhaften Instituts für Pharmazie an der MLU gefragt. „Weil der Tuberkulose-Erreger eine sehr dicke und schwer durchlässige Zellwand hat, ist er sehr schwer zu therapieren“, sagt der Apotheker und Chemiker Imming, „die Behandlung dauert sechs Monate bis zwei Jahre und erfordert eine Kombination von drei bis vier verschiedenen Antibiotika. Was oft Unverträglichkeiten und Resistenzbildung zur Folge hat.“

Vor ein paar Monaten, im Juni 2012, konnten Peter Imming und seine Mitarbeiterin Ines Rudolph als Erfinder von „antimykobakteriell wirksamen Substanzen und Verfahren zu ihrer Herstellung und Verwendung“ über die MLU ein Patent einreichen.

„Wir forschen an neuen Wirkstoffklassen mit neuen Angriffspunkten im Stoffwechsel der Erreger, damit mehr Auswahl an Arzneistoffen besteht. Somit können Resistenzen und Unverträglichkeiten besser überwunden werden“, erläutert der Wissenschaftler.

Wichtig sei in diesem Zusammenhang auch, dass diese Wirkstoffe nicht teuer sind. „Die Behandlungsprogramme müssen schließlich vor Ort in den armen Ländern finanziell auch durchführbar sein“, sagt der Professor.

Er hofft, neben einer bestehenden Kooperation mit einer ausländischen Pharmafirma auch im näheren Umfeld industrielle Interessenten für die Entwicklung der sehr wirksamen Stoffe zu finden.