Polen kappt deutschen Medieneinfluss

Nach Russland droht den deutschen Verlagen in Polen Ärger. Die dortige Regierungspartei „Recht und Gerechtigkeit“ will deutschen Medienhäusern per Gesetz ihre dominante Marktstellung streitig machen.

Volksstimme. Foto: dpa

Die Verlage sollen ihre Beteiligungen auf 30 Prozent kappen, indem sie – zunächst freiwillig – ihre Anteile an polnische Käufer abgeben. Wollen die Unternehmen nicht mitziehen, drohen den Unternehmen Zwangsverkäufe. Springer Ringier, Bauer, Burda & Co. sind alarmiert. Die Volksstimme in Magdeburg gehört zum Verlagshaus Bauer.

Die großen deutschen Verlagshäuser haben still und leise nach der Wende in Größenordnungen überall jenseits des einstigen so genannten Eisernen Vorhangs Verlage und Titel gekauft. Der tatsächliche Umfang der medialen Machtausdehnung blieb aber ausgerechnet bei denen, die für Öffentlichkeit sorgen sollen, im stillen Kämmerlein geheim. Nun sind aber etliche Staaten daran, mit teilweise wenig demokratischen Mitteln den Einfluss der deutschen Medien in ihren Ländern zurückzudrehen.

Erst verschärfte Russland vor zwei Jahren die Mediengesetze. Moskau verbot ausländischen Unternehmen, mehr als 20 Prozent an dortigen Verlagen zu halten. Viele namhafte Investoren zogen sich zurück. Darunter Axel Springer.
Jetzt droht den deutschen Verlagen in Polen ein ähnliches Schicksal. Es ist geplant, die Beteiligungen von ausländischen Medienhäusern im Land von maximal 40 auf 30 Prozent zu kappen. Ein entsprechendes Gesetz ist in Arbeit. Im Visier der polnischen Regierung sind vor allem deutsche Medienhäuser, wie Axel Springer Ringier, die Bauer Media Group, die Münchener Hubert Burda Media sowie der Verlag der Passauer Neuen Presse. Das Verfahren klingt relativ rigide. Erst sollen Übergangsfristen eingeräumt werden, die den Medienfirmen einen freiwilligen Verkauf ihrer Anteile an einen polnischen Käufer erlauben. Funktioniert das nicht, könnte es auch zu Zwangsaufkäufen durch Staatsbetriebe kommen.

Für Axel Springer Ringier und Bauer wäre eine Verschärfung der Mediengesetze ein schwerer Schlag. Springer Ringier verlegt in Polen über 13 große Pressetitel, darunter neben Fakt das Nachrichtenmagazin Newsweek Polska. Deutlich stärker betroffen wäre Bauer. Das norddeutsche Traditionshaus ist in Polen das drittgrößte Medienunternehmen. Es verfügt hier über den führenden Zeitschriftenverlag und ist nach eigenen Angaben im Segment der Luxus-Magazine, der Lifestyle-Magazine, der Unterhaltungs- und Fernsehzeitschriften sowie der Jugendmagazine marktführend. Jedes Jahr verkauft Bauer in Polen mit mehr als 30 Titeln rund 300 Millionen Exemplare.

Die Traditionszeitung „Volksstimme“ in Magdeburg ist ein Exot im Portfolio des Hamburger Verlagshauses. Es ist die einzige Tageszeitung unter der Vielzahl von Zeitschriften, offenbar nur von der damaligen Treuhand gekauft, um bei der medialen Aufteilung nach der deutschen Wiedervereinigung nicht zu kurz zu kommen.
Nicht minder wichtig ist für Bauer auch das Druckgeschäft in Polen. Das Unternehmen druckt dort nicht nur Zeitschriften für den polnischen Markt, sondern auch für Deutschland. Bauer spart damit deutlich an Produktionskosten, weil das Lohnniveau der Drucker in dem osteuropäischen Land erheblich niedriger ist.

Ob die aktuelle Entwicklung Auswirkungen auf den Zeitungsmarkt in Sachsen-Anhalt hat, bleibt abzuwarten. Immerhin hat das Verlagshaus Bauer mit der Umstrukturierung der „Volksstimme“ in eine Vielzahl von Gesellschaften bereits einen deutlichen Sparkurs eingeleitet.

 

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