Wir haben nichts vorbereitet und müssen deshalb mal sehen, was uns so einfällt.“ Mit diesem Credo eröffnen die Hengstmann-Brüder des Kabaretts „nach Hengstmann“ aus Magdeburg ihr jüngstes Programm „Ein Fall für zwei“ und brennen gleich darauf ein kabarettistisches Feuerwerk ab, das seinesgleichen sucht. Was ihnen einfällt ist allerfeinste politische Satire, gepaart mit jeder Menge Komödiantischem. Und was da nicht vorbereitet ist, erweist sich als das Einfache, das so schwer zu machen ist.

Die Kabarettisten Sebastian und Tobias Hengstmann stehen als Kabarett-Duo schon seit 2003 in den großen Schuhen des altgedienten Elbestadt-Urgesteins Frank Hengstmann. Ende 2008 gründeten die Brüder dann gemeinsam mit ihrem Vater am Breiten Weg in Magdeburg eine eigene Kabarett-Spielstätte: „…nach Hengstmanns“.

Damit verfügt Magdeburg als eine der wenigen Städte dieser Größenordnung über mindestens drei fest etablierte Kabaretts, was aber nicht heißt, das man hier besonders viel zu lachen hätte.

Wie dem auch sei: Die Hengstmann lassen keinen politischen Fettnapf aus, um reinzutreten und sich auch genüßlich darin zu suhlen. „Wer nichts macht, macht auch keine Fehler“, verkünden die beiden eingangs, um diesen altbekannten Spruch sogleich zu ergänzen, dass dies aber nicht auf die Bundesregierung unter Merkel zutreffe, denn die mache nichts und trotzdem alles falsch.

Und was alles falsch läuft, das wird dann auf die satirische Spitze getrieben. Da muss man erst mal drauf kommen, die von der Kanzlerin „beseitigten“ Regierungsgranden als Flaschen wieder aufleben zu lassen. Bei „Rüttgers“ Sekt ist es noch recht einfach, auch das „Oettinger“-Bier ist einleuchtend. Schwieriger wird es schon, von einer Rotkäppchenflasche auf Wolf und damit Wulf zu kommen. Die Hengstmanns finden für jede Flasche eine Flasche und demonstrieren das mit sichtlichem Spielvergnügen.

Das dürfte auch ein Geheimnis ihres Erfolgs sein, denn man spürt den Spaß, den die beiden selbst bei ihren satirischen Seitenhieben haben. Und dass sie sogar im Puppenspiel zu Hause sind, beweisen sie mit einer urkomischen Nummer, bei der die Bundeskanzlerin und ihr Vize die Handpuppen sind, die man mit viel Mühe dazu bringen muss, sich zu verstehen. Kasperletheater darf in diesem Zusammenhang mit Blick auf politische Vorgänge durchaus wörtlich genommen werden.

Ideal funktioniert die Idee, dass der eine Bruder sich Spaß und Unterhaltung zu eigen macht, während der andere seriös belehren will. Auf diese Weise werden Elemente, die man heute gemeinhin unter Comedy zusammenfasst, außerordentlich geschickt mit richtig bissiger Satire verbunden. Die Mischung macht´s, und da schenken sich die beiden zum Vergnügen des Publikums nichts.

Ganz deutlich wird das beim Pawlowschen Reflex, der vor vielen Jahrzehnten von einem sowjetischen Verhaltensforscher entdeckt wurde, und bei dem Hunde bei einem bestimmten Signal in Erwartung der Belohnung bereits bestimmte Verhaltensweisen an den Tag legten. Auf Politiker angewandt, war dies der „Wahrheitsreflex“ auf die Fragen eines Reporters. Schade, dass es einen solchen Reflex noch nicht für Menschen gibt. Bis es soweit ist, sollte man sich unbedingt dieses Programm ansehen.