Seit fast zehn Jahren hat uns die Finanz- und Bankenkrise im Griff. 2008 war der große Zusammenbruch der Banken an der Wallstreet, der sich rasend schnell auch auf europäische Banken und Währungen ausdehnte. Bei Krisen handelt es sich um zyklische Ereignisse. Kann man bei so vielen Jahren von einer Krise sprechen, oder ist das Finanzsystem der Welt dauerhaft aus den Fugen geraten?

Sind Bitcoins die Währung der Zukunft? Schon jetzt kann man fast alles damit bezahlen.

Erste Erkenntnis: Die so genannten systemrelevanten Banken sind überlebenswichtige Stützen für ganze Volkswirtschaften und Regierungen.

Wankt auch nur eine von ihnen, droht das System einzustürzen.

Wer erinnert sich nicht an die vielleicht einmal historische Szenerie, als die Kanzlerin nach dem Beginn der großen Dauerkrise von 2008 mit ihrem damaligen Finanzminister beinahe beschwörend den deutschen Sparern zurief, dass ihre Spareinlagen sicher seien, um sie zu beruhigen. Was wäre wohl passiert, wenn das nicht gefruchtet hätte? Die deutschen Sparer haben sehr grob geschätzt etwa 2000 Milliarden Euro auf der „hohen Kante“. Wenn auch nur die Hälfte von ihnen am folgenden Werktag das mühsam Gesparte hätte abholen wollen, wäre Deutschland mit seinem gesamten Finanzsystem zusammengebrochen. Die Folgen für die Volkswirtschaft, für die Unternehmen, kann sich jeder selbst ausrechnen.

Zweite Erkenntnis: Die Politik hat längst keine Macht mehr, um zu regulieren, kann nur noch „kosmetische“ Veränderungen vornehmen.

Beispiel Steueroasen. Seit Jahren wollen fast alle namhaften Politiker die Steueroasen „austrocknen“. Passiert ist nichts, denn nach Meinung aller betrifft das immer nur die anderen. Auch Deutschland zählt als idealer Platz für Geldwäsche. Nach wie vor sind es vor allem die großen internationalen Konzerne, die ohne Rücksicht auf Verluste der Staaten, in denen sie die Gewinne machen, ungehindert agieren. Möglich ist das nur dank der Hilfe der Banken, die an den Finanztransaktionen mitverdienen. Die Deutsche Bank hat dabei als Global Player, als der man sich gern sehen wollte, kräftig mitgewirkt. Allein an der Immobilienblase in den USA war die Deutsche Bank als einer der wichtigsten Akteure beteiligt. Als Donald Trump noch kein Präsident war, und keine US-Bank ihm noch einen Kredit geben wollte, da zeigte sich die Deutsche Bank kulant und half ihm mit mehreren Hundert Millionen Dollar. Viel geholfen hat es nicht, denn die saftigen Strafen der Finanzbehörden aus den USA gegen die Deutsche Bank in den letzten Jahren summieren sich auf geschätzt 17 Milliarden Dollar. Und beobachtet man die aktuellen Entwicklungen in den USA heute, dann zeichnet sich schon wieder eine Blase ab, an der auch die Deutsche Bank erneut beteiligt ist. Daran ändert auch eine große Imagekampagne nichts, an der sich übrigens das Deutsche Fernsehen mit sehr „kritischen“ Reportagen zur Vertrauens-Rückgewinnung beteiligt. In den Chefetagen in Frankfurt hat man „Kreide gefressen“, doch sollte das nicht darüber hinwegtäuschen, dass Märchen manchmal auch die Realität abbilden.

Für 80 Milliarden Euro kauf die EZB jeden Monat „faule“ Papiere und Staatsanleihen europäischer Banken, um das Finanzsystem zu retten.

Dritte Erkenntnis: Niedrigzinsen schaden dem Sparer und machen Anlagen teuer

Etwa 30 Prozent der Unternehmen in Deutschland sind von Niedrigzinsen betroffen, schätzt eine Studie eines renommierten Wirtschaftsprüfungsunternehmens. Unmittelbare Auswirkungen habe das aber nicht, weil man die Anlageformen gewechselt oder eine Umschichtung der liquiden Mittel vorgenommen habe.

Im Klartext heißt das nichts anderes, als das man, wenn irgend möglich, in Aktien investiert hat. Der DAX an der Deutschen Börse bildet in Form eines Aktienindex die wirtschaftliche Bewertung der wichtigsten deutschen Firmen ab. Wer sich dafür interessiert, der wird festgestellt haben, dass dieser wichtigste Aktienindex einen Rekord nach dem anderen bricht. Es ist noch nicht lange her, da galten 10 000 Punkte als Rekord, dann waren 12 000 Punkte eine „Schallmauer“, jetzt sind es schon 13 000 und mehr, die die Kurve anzeigt. Vergleicht man das prozentuale Rekordwachstum des DAX mit dem realen Wirtschaftswachstum, dann stellt man schnell fest, dass da eine Schere ziemlich weit aufgeht.
Wirtschaftsexperten sprechen deshalb von einer deutlichen Überbewertung der deutschen Wirtschaft, dass sich dort ebenfalls eine der berühmten Blasen bilden könne, vor denen sich alle fürchten. Und wie kommt das?
Unsummen Geldes sind auf der Welt unterwegs. Die Europäische Zentralbank kauft Monat für Monat für derzeit knapp 80 Milliarden Euro Bankenpapiere und Staatsanleihen, um die EU-Wirtschaft – besser das Banken- und Finanzsystem – zu stützen. Woher hat die EZB das Geld? Sie schreibt es gut, in Form von Zahlen, denen man vertrauen muss, denn sie sind durch nichts gedeckt.

Um wenigstens etwas Sicherheit einfließen zu lassen, hat Bundesfinanzminister Schäuble die gemeinsame europäische Einlagensicherung im Januar 2016 bestätigt. Das hat in den Bank-Etagen die Sektkorken knallen lassen: Denn ein offizielles Schreiben des für die Banken weisungsbefugten Finanzministers ist in der Banken-Praxis ein gültiges Dokument, das zur Kredit-Vergabe herangezogen werden darf. Damit stehen den EU-Banken die 2000 Milliarden Euro der deutschen Sparer als Sicherheit zur Verfügung.
Dass dies in etwa die Summe ist, die die EZB in ihrem Kaufprogramm bis Jahresende einsetzen will, sei nur am Rande vermerkt.

Vierte Erkenntnis: Wohin also mit dem vielen Geld, das eigentlich gar nicht vorhanden ist?

Für große Unternehmen ist die Sache klar. Es ist viel interessanter, Gewinne in Aktien zu stecken, um damit erneut Gewinne zu generieren, als für die Erweiterung der Produktion zu investieren. Letzteres erweist sich vielleicht erst in Jahren als profitabel, während Kursgewinne schnell zu Buche schlagen.

Die Bundesbank beeilt sich, das deutsche Gold nach Hause zu holen. Drei Jahre vorfristig ist das Lager in Frankreich schon geräumt.

Für den einfachen Sparer ist das schon sehr viel schwieriger. „Betongold“ ist eines der Zauberwörter. Wer jetzt günstig baut oder Wohnungen kauft, der hat Sicherheit. Das stimmt natürlich, aber nur, wenn man genug Eigenkapital aufbringen kann, um sich die Laufzeit der günstigen Kreditlinien garantieren zu lassen. Wer darauf hofft, dass die Niedrigzinsphase noch Jahrzehnte anhalten wird, kann leicht in eine Schuldenfalle geraten. Immerhin haben die Preise zum Kaufen und Bauen drastisch angezogen, und dank der niedrigen Zinsen rechnen sich Finanzierungen mit einem Einkommen, dass vor Jahren noch undenkbar gewesen wäre.

Also dann vielleicht lieber Gold? Auch der Goldpreis ist gestiegen, hat Rekorde gebrochen. Trotzdem ist es nicht die schlechteste Anlage, wenn man Zeit hat und das Geld nicht braucht. So scheint auch die deutsche Bundesregierung zu denken. Immerhin hat die Bundesbank ihr Programm zur Rückholung der deutschen Goldreserven, die nach dem Zweiten Weltkrieg in Frankreich, Großbritannien und den USA lagerten, drastisch beschleunigt. Bis 2020 sollte die Hälfte des deutschen Goldschatzes wieder zu Hause sein. Das sind immerhin rund 1700 von insgesamt 3400 Tonnen. Dieses Ziel wurde drei Jahre vorfristig erreicht. Jetzt liegen noch 1250 Tonnen in den USA und 450 Tonnen in Großbritannien. Das Lager in Frankreich ist komplett leergeräumt. Insider lächeln angesichts der Eile. Offenbar ist das Vertrauen in die europäische Stabilität doch nicht so groß, wie immer wieder verkündet wird. Und dann gibt es noch ein sehr modernes System, sein Geld anzulegen: Bitcoins.

Dabei handelt es sich um eine virtuelle Währung aus dem Internet. Der Trick: Die virtuelle Währung ist ähnlich wie das Gold in der Menge begrenzt. Je mehr Internetnutzer Bitcoins kaufen, um so mehr steigt der Wert. Bis zu diesem Zeitpunkt ist der Wert eines Bitcoins schon auf das 3000fache seit seiner Einführung gestiegen. So sehr die Bundesbank warnt, sich an solchen Spekulationen nicht zu beteiligen, denn diese virtuelle Währung sei durch nichts gedeckt, so sehr muss man sich natürlich fragen, wodurch eigentlich die Billionen der Europäischen Zentralbank gedeckt sind. Interessant ist in diesem Zusammenhang auch, dass sich große Unternehmen überall auf der Welt an diesem System beteiligen. Bei vielen kann man auch größere geschäftliche Transaktionen mit Bitcoins abwickeln.

Tatsache ist und bleibt: Die Finanzwirtschaft der Welt hat sich entgegen aller Aussagen nicht erholt. Die Ursachen, die zu dem gefährlichen Versagen geführt haben, sind nicht beseitigt. Ein Finanz- oder Immobiliendesaster wie 2008 kann sich jederzeit wiederholen.
Vor diesem Hintergrund schauten nun viele auf ein Treffen von Notenbankern und wichtigen Finanzpolitikern aus der ganzen Welt, das Ende August traditionell wie jedes Jahr im US-Bundesstaat Wyoming in Jackson Hole stattfand. Bei der Konferenz war eine der drängendsten Fragen, wie man zu einer neuen Geldpolitik kommt. Details dringen aber wie in jedem Jahr kaum nach außen. Man hält sich in diesem abgelegenen Ort wie immer äußerst bedeckt. Aber wir werden sehr schnell zu spüren bekommen, was hier höchst geheim vereinbart wurde. Jackson Hole – Hole heißt im Englischen „Loch“. Es bleibt nur zu hoffen, dass in diesem tiefen Loch nicht das Vertrauen verschwindet, dass die ungedeckte Geldmenge der Welt im Umlauf hält.