Nashville in den USA ist nicht nur die Hauptstadt des Staates Tennessee, sondern auch  Partnerstadt von Magdeburg. Sister City sagt man hier, und in der Tat sind die Bindungen zwischen den Städten besonders eng.

Das liegt diesseits des „großen Teiches“ am Deutsch-Amerikanischen Dialogzentrum und jenseits des Atlantik an Burkley Allan, Vorstandsmitglied der Sister Cities of Nashville, Inc. sowie deren Präsident Doug Berry. Seit gut zehn Jahren wurden zahlreiche Freundschafts-bande geknüpft, gegenseitige Besuche gestartet und ein intensiver kultureller Austausch fand statt. Zu den Feiern zum Jahrestag der Deutschen Einheit kamen Burkley Allan und Doug Berry erneut vom Fluss Cumberland an die Elbe.

aspekt fragte nach ihren Eindrücken und hatte mit dem 19jährigen Magdeburger Peter-Maximilian Schmidt auch einen Gesprächspartner, der für ein Jahr „Anderen Dienst“ in Nashville leistet.

Viele Freunde und enger Terminkalender

Burkley Allan ist die Vorsitzende des Komitees für den Studentenaustausch in der Gesellschaft der Partnerstädte in Nashville und hat im Laufe der Jahre mehr als 20 Schüler und Studenten als zeitweilige Gastmutter betreut. Da ist es kein Wunder, dass sie von Freunden umringt ist, sobald sie in Magdeburg auftaucht. Das war auch in diesem Jahr nicht anders. Jeder wollte mit ihr sprechen, Dank sagen oder gute Wünsche mitgeben, da blieb nicht viel Zeit im Terminkalender.
Ganz ähnlich ging es Doug Berry. Er ist in der Elbestadt ein guter Bekannter, hält als Präsident der Partnerstadt-Gesellschaft in Nashville ständigen Kontakt zum Rathaus und natürlich zum Deutsch-Amerikanischen Dialogzentrum in Magdeburg.

Bei beiden begann die Beziehung zu Deutschland mit einem Studienaufenthalt, dem „junior year“ in Marburg. Dabei lernten sie den westlichen Teil Deutschlands kennen, bei Burkley Allan gehörte auch ein Abstecher in den östlichen Teil dazu. Heute bekennt sie freimütig: „Ich hätte nie gedacht, dass sich die beiden deutschen Staaten einmal wieder vereinigen werden.“
Doug Berry: „Das erste Mal war ich im Herbst 1993 in Magdeburg und zugleich das erste Mal in den Neuen Bundesländern. Magdeburg war zu dieser Zeit stark im Wandel begriffen. Aber ich war beeindruckt von dem Temperament der Bürger, deren Freundlichkeit und Offenheit gegenüber neuen Ideen.“
Und er hat wohl einiges von diesen positiven Eindrücken mit nach Nashville genommen, denn seither war er mehr als zehnmal in Magdeburg. Seit 1998 beinahe jedes Jahr.
Im Jahre 2003 wurde Burkley Allan gefragt, ob sie einen Austauschschüler aus Magdeburg aufnehmen würde. Damit begann ihre Beziehung zu der Stadt an der Elbe.

„Ich bin begeistert von der Geschichte des gewaltfreien Widerstandes, der zum Sturz des Kommunismus und zur Wiedervereinigung Deutschlands führte. Jedes Mal, wenn ich nach Magdeburg komme, höre ich Geschichten von Leuten, die bereit waren, ihr Leben und ihren Job zu riskieren, um für die Freiheit zu kämpfen. Aber ich habe auch viel von den Problemen gehört, wenn man die Arbeit verloren hat oder etwas völlig Anderes machen musste. Aber die meisten, mit denen ich gesprochen habe, glauben dass die Wiedervereinigung  eine großartige Errungenschaft ist.“
Und Doug Berry ergänzt: „ Ich denke, dass Deutschland großartige Schritte zur Wieder-vereinigung zweier komplett unterschiedlicher Systeme getan hat.  Es gibt immer noch manche Anfechtungen und einige unterscheiden zwischen Ost und West, aber nicht mehr so stark wie vor 15 oder 20 Jahren. Ich bekenne mich ein wenig als ein „Ossi“-Fan!“

Feines Gefühl für Freiheitsdrang

Beide haben nicht nur enge Beziehungen in die „Schwester-Stadt“ entwickelt, sondern sind auch tief in die Wünsche, Träume, Hoffnungen und Enttäuschungen ihrer Schwestern und Brüder jenseits des „großen Teiches“ eingedrungen. Burkley Allan vergleicht die große gewaltfreie Bewegung der Ostdeutschen mit der Bürgerrechtsbewegung der 1960er Jahre in den USA. Als Südstaatlerin hat sie ein feines Gefühl für den Drang nach Freiheit und Gerechtigkeit.

Und während sie zusammen mit den Elbestädtern auf dem Domplatz die Feiern zur Deutschen Einheit begeht, ist in ihrem Haus in Nashville Tennessee der 19jährige Peter-Maximilian Schmidt für ein Jahr zu Gast. Seit August arbeitet er dort im Martha O´Bryan-Centre, einer christlich geprägten Sozialeinrichtung, die schon 1894 von einer Lehrerin gegründet wurde. Kinder, junge Familien, aber auch Erwachsene erhalten hier Hilfe und Unterstützung, angefangen von der Ausgabe von Lebensmitteln, über Nachhilfeunterricht für Schulabschlüsse bis hin zur Kinder- oder medizinischen Betreuung.
„Zu uns kommen viele, die arm sind, die Hilfe brauchen. Für mich erstaunlich war allerdings, dass die meisten von ihnen gut gelaunt, freundlich und aufgeschlossen sind. Sie sind dankbar für die Unterstützung und das überträgt sich auch auf mich. Da macht es Freude, zu helfen. Für viele ist Deutschland sehr weit weg. Ich nutze aber die Chance, von meiner Heimat zu erzählen. Und neulich erzählte Theresa, eine ehemalige Sportlerin, die mit 17 in Berlin war, gerade als die Mauer hochgezogen wurde, von ihren Eindrücken damals. Da merkt man, wie klein die Welt ist, wenn mir eine Amerikanerin aus der Geschichte meines Landes erzählt, aus einer Zeit, in der ich noch gar nicht geboren war.“

So werden die Bande der Freundschaft in Magdeburg und in Nashville, der Stadt, die Synonym für Musik ist, gleichzeitig geknüpft. Und dabei ist es durchaus nicht so, dass nur wir von den Amerikanern lernen können. Da berichtet der angehende Student, dass in Nashville Radwege gebaut werden, auch wenn der Bedarf noch „nicht gerade riesig“ ist. Für ihn allerdings, der täglich mit dem Rennrad zum Martha O´Bryan-Center fährt, ist das ein Signal. „Hier hat man offensichtlich begriffen, dass man nicht allein auf Öl und Benzin setzen kann. Und das dann auch noch ohne Druck der Öffentlichkeit umzusetzen, das zeugt nicht nur von Weitsicht, sondern auch von Pragmatismus. Aber so sind die Amerikaner.“
Und welche Eindrücke haben die Gäste aus Nashville mitgenommen?

„Ich war sehr beeindruckt von dem Fortschritt, den die Stadt Magdeburg im Laufe der 20 Jahre gemacht hat. Es war besonders interessant, die Partnerstädte-Konferenz  zu besuchen und von den vielen Vereinbarungen zwischen Magdeburg und seinen Partnerstädten in der Wirtschaft, dem Klimaschutz, Kultur, Sport, Kunst und anderem zu hören.“

Kritischer sieht das Doug Berry. „Die Zerstörung im 2. Weltkrieg hat in der Stadt Wunden hinterlassen, die auch heute noch zu sehen sind. Auch die Hinterlassenschaft der DDR ist nicht spurlos vorübergegangen. Aber es gibt so viele schöne und einmalige Aussichten und Plätze, die ich lieben gelernt habe: Den Dom, das Kloster und die Johanneskirche, die Elbe und die vielen umliegenden Parks natürlich, den Herrenkrug, die Hegelstraße und den Hasselbachplatz. Ich empfinde die Magdeburger als offen, freundlich und optimistisch, trotz durchaus vorhandener wirtschaftlicher und sozialer Konflikte.“

Die Welt ist zusammengerückt. Das Band der Partnerschaft zwischen den Städten, wie hier zwischen Magdeburg und Nashville, wird tagtäglich fester. Das liegt an den Menschen wie Burkley Allan oder Doug Berry, für die der „große Teich“  keine Trennung bedeutet, wenn Menschen aufeinander zugehen und sich verstehen wollen.