Sweeney Todd Musical Kultur Magdeburg Theater

Ein Barbier im mittelalterlichen London läßt seine Opfer in Pies, gefüllte Gebäcktaschen, verarbeiten. Das Geschäft nimmt einen ungeahnten Aufschwung. – Foto: Böhme/Theater Magdeburg

Das Theater Magdeburg entwickelt sich zu einer Musical-Hochburg. Inzwischen geben sich die Stars der Szene hier die Klinke in die Hand und das Opernhaus der Elbestadt wird in einem Atemzug mit Wien, Hamburg, Köln oder Paris genannt. Mit der Premiere von „Sweeney Todd“ wurde ein weiterer spektakulärer Erfolg errungen.

Das Thriller-Musical „Sweeney Todd“ von Stephen Sondheim ist noch recht jung. 1979 kam es an den Broadway, wurde später mit Johnny Depp verfilmt. Der Inhalt ist eine sehr britische Mischung aus makabrem Geschehen, schwarzem Humor und jeder Menge Dramatik.

Benjamin Barker ist ein Barbier im spätmittelalterlichen London. Er hat eine schöne Frau und ein Baby. Der teuflische Richter Turpin begehrt die Frau des Barbiers, verbannt Barker unter falscher Anschuldigung nach Australien, zerstört die Familie und will schließlich die zu seinem Mündel erklärte Tochter auch noch heiraten. Barker kehrt als Sweeney Todd nach 15 Jahren zurück und nimmt grausame Rache. Erst zielgerichtet seine einstigen Peiniger, tötet er später jeden mit einem Rasiermesserschnitt, der auf seinem Stuhl Platz nimmt. Die Leichen werden durch einen riesigen Fleischwolf gedreht und landen in den Pies seiner Wirtin, deren Geschäfte mit dem gefüllten Gebäck ungeahnten Aufschwung nehmen. Im Blutrausch bringt der Barbier schließlich die eigene, geliebte Frau um, die er als Bettlerin nicht erkannt hat. Die Sucht nach Rache hat sich gegen ihn selbst gerichtet.

So schwer die inhaltliche Kost erscheint, so leicht vermischt Regisseur Leonhard Prinsloo das gruselige Geschehen mit schwarzem Humor, ohne die innere Dramatik der Ereignisse auch nur einen Hauch zu verwässern. Der in Südafrika aufgewachsene und seit 1986 in Deutschland lebende Ausnahmekünstler hat dabei ein für ein Stadttheater außergewöhnliches Star-Aufgebot an seiner Seite.

Da ist der musikalische Leiter der Inszenierung, David Levi. Der gebürtige New Yorker zählt zu den begehrtesten Dirigenten für Oper, Operette und Musical. Ein Blick in seinen Terminkalender zeigt, dass sein Gastspiel in Magdeburg zwischen den Staionen Paris, New York und Colombo liegt.Vom Broadway auf den Breiten Weg, dem Magdeburger Theaterstandort, war zu hören. Stars unter den Gesangsprotagonisten des Stückes sind natürlich der Amerikaner Kevin Tarte als teuflischer Barbier Sweeney Todd und die Australierin Gaye MacFarlane als grandios ambivalent agierende Mrs. Lovett, die zwischen Liebe und Lüge das große Geschäft mit dem Menschenfleisch organisiert.

Es ist schon erstaunlich, wie die Synthese von Musical- und Opernsängern oder dem Chor gelingt. Das ist aber entscheidend, wenn daraus ein Gesamtkunstwerk entstehen soll. Das allerdings wurde mit Bravour bewältigt. Herausragend präsentierten sich wieder einmal unübersehbar Martin-Jan Nijhof als Richter Turpin, Kartal Karagedik als der junge Matrose Anthony Hope, Lucia Cervoni als Bettlerin und als Gast Michael Ernst, der den Tobias Ragg sprach und sang. Das richtige Gefühl für das London der dunklen Jahre bewies der Brite Duncan Hayler mit einer Bühnenausstattung.