Die Olympischen Sommerspiele 2012 in London sind Geschichte. Viel war die Rede von Pech und Pannen. Doch das gehört seit Anbeginn dieses Weltsportereignisses dazu, wie Franziska Schmidt in den Archiven Olympias erfuhr.

Auch wenn manche Sportler nicht den olympischen Sieg erringen, so eroberten sie doch auf die eine oder andere Weise die Herzen der Zuschauer. Sie gingen beim Schwimmen fast unter, ließen sich als Kanonenkugel verschießen oder setzten Zeichen wahrer Freundschaft.
Bei den ersten Olympischen Spielen der Neuzeit 1896 in Athen strebten die Olympioniken nicht nach Gold sondern nach Silber. Für die Sieger gab es nämlich Silbermedaillen und einen Olivenzweig, für die Zweitplatzierten Bronze. Erst im Jahre 1904 wurden Goldmedaillen zum Symbol für den olympischen Sieg. Dass es aber nicht immer Medaillen sein müssen, zeigten die olympischen Spiele in Frankreich im Jahre 1900. Hier erhielten die Sieger ein Gemälde, da die Franzosen diese für wertvoller als Goldmedaillen hielten.

Prämien für Goldmedaillen

Abgesehen vom Ruhm, werden Olympiasieger meist im Heimatland mit besonderen Ehren bedacht. Was die Sportler außer einer Goldmedaille für den ersten Platz bekommen, ist von Land zu Land unterschiedlich. In Weißrussland erhalten die Sieger neben einer Geldprämie dank eines Großsponsors lebenslang Gratis-Würstchen. In Malaysia können sich Olympiasieger, abgesehen von der Geldprämie, auch auf einen Goldbarren im Wert von einer halben Million Euro freuen. Nigerianische Medaillengewinner bekommen Prämien bis zu 7500 Euro und werden ganzjährig mit Milch versorgt. In der Mongolei und Südkorea brauchen die Goldgewinner keinen Wehrdienst leisten, und die australischen und britischen Olympiasieger finden sich auf einer Briefmarke verewigt.
Hier die Geldpreise, die ausgewählte Länder bezahlen:

Armenien: 700 000 Euro
Aserbaidschan: 640 000 Euro
Singapur: 600 000 Euro
Russland, China, Australien: 41.000 Euro
Japan: 21 000 Euro
USA: 20 500 Euro
Deutschland: 15 000 Euro
Südkorea: 240 Euro

Tierische Verlierer

Bei der Eröffnung der Olympischen Spiele 1988 in Seoul wurde ein Schwarm weißer Tauben als Symbol des Friedens freigelassen. Diese suchten sich einen idealen Aussichtspunkt, auf dem sie sich niederließen. Leider war dies der 30 Meter hohe Feuerkessel, der von Staffelläufern mit den Fackeln des olympischen Feuers entzündet wurde und so – unabsichtlich versteht sich – ein paar der Friedenstauben grillte.
Nicht unabsichtlich hingegen mussten 300 Tauben bei den Olympischen Spielen 1900 in Paris ihr Leben lassen. Als einmaliges Ereignis in der olympischen Geschichte waren sie das lebendige Ziel beim Taubenschießen.

Bei der Eröffnungsfeier für die Olympischen Sommerspiele 1988 im Olympiastadion von Seoul entzünden südkoreanische Läufer mit ihren Fackeln das Olympische Feuer in der riesigen Flammenschale. Einige der vorher aufgestiegenen Symbol-Tauben links im Bild schafften es nicht mehr, sich zu retten.
Foto:dpa

Deutsch-Sowjetische Freundschaft

Die Fussballer der DDR sorgten 1972 in München gemeinsam mit der Sowjetunion für einen Eklat. Im Spiel um Platz drei stand es nach 90 Minuten 2:2. Da kein Elfmeterschiessen vorgesehen war, einigten sich beide Mannschaften auf einen spielerischen Nichtangriffspakt, was ein Pfeifkonzert der 70 000 Zuschauer zur Folge hatte und Bronzemedaillen für beide Teams.

Schlechte Verlierer

Das pakistanische Team der Hockey-Herren hatte bei den Spielen 1972 in München das Finale gegen Deutschland 0:1 verloren und kam nur unter Protest zur Siegerehrung. Während der Zeremonie spuckten die Pakistaner, spritzten mit Limonade herum und weigerten sich, die Medaillen umzuhängen. Zuvor hatten sie die Umkleidekabine auseinandergenommen.

Medaillen der Freundschaft

1936 wurde in Berlin bei den Olympischen Spielen Geschichte geschrieben. Die japanischen Stabhochspringer Nishida Shuhei und Oe Sueo kämpften fünf Stunden um die Silbermedaille. Das Duell ging unentschieden aus, da Nishida aber weniger Fehlversuche hatte, bekam er Silber und Oe Bronze. In Japan ließen sie die Medaillen zerteilen und zu zwei neuen, halb bronze und halb silbernen Medaillen zusammenfügen. Diese “Medaillen der Freundschaft” stehen in Japan heute noch für Sportsgeist

Barfuß zum Sieg

Der äthiopische Läufer Abebe Bakila gelangte nur durch die Verletzung eines Teamkollegen zu den Olympischen Spielen 1960 nach Rom. Da ihm die Laufschuhe nicht passten und seine eigenen durchgelaufen waren, bestritt er den Marathon barfuß. Er gewann Gold und stellte einen neuen Weltrekord auf.

Munter wie ein Fisch

Ende der 1990er Jahren gab das IOC einige Wildcards aus, um auch ärmeren Ländern eine Teilnahme an den Spielen zu ermöglichen. Eric Moussambani aus Äquatorialguinea war einer der Begünstigten. Er lernte erst acht Monate vor den Olympischen Spielen in Sydney das Schwimmen und hatte noch nie im 50-Meter-Becken trainiert. Der 22-Jährige, der noch nie ein 100-m-Rennen bestritten hatte, musste alleine schwimmen, da seine Konkurrenten im Vorlauf wegen Fehlstarts disqualifiziert wurden. Beobachter wollten ihn auf den letzen Metern schon vor dem Ertrinken retten, da er schon so erschöpft war. Er blieb 64 Sekunden über dem Weltrekord, stellte aber seinen persönlichen und nationalen Rekord auf. Seit dem wird er von Reportern “Erich der Aal” genannt.