Unter dem Dach der Wiener Staatsoper geht es zu wie in einem Bienenstock. Auf dem Dach steht sogar einer! Anlässlich des Internationalen Jahres der Artenvielfalt 2010 gab es in der Wiener Staatsoper eine außergewöhnliche Premiere. Auf dem Dach des berühmten Bauwerkes wurde ein Bienenstock mit rund 60 000 Bienen aufgestellt, der auf die enorme Bedeutung dieses Insekts aufmerksam machen soll.

Albert Einstein: „Wenn die Biene einmal von der Erde verschwindet, hat der Mensch nur noch vier Jahre zu leben. Keine Bienen mehr, keine Bestäubung mehr, keine Pflanzen mehr, keine Tiere mehr, kein Mensch mehr.“

Der kleine Honiglieferant ist nach Rind und Schwein das drittwichtigste Nutztier. Etwa 80 Prozent aller Wild- und Kulturpflanzen werden von Bienen bestäubt. In Österreich sichern rund 22 000 Imker mit etwa 300 000 Bienenvölkern die Bestäubung der Pflanzen und der wirtschaftliche Nutzen ist enorm. Er wird auf bis zu 500 Millionen Euro pro Jahr geschätzt. Trotzdem werden in der Landwirtschaft häufig Pestizide eingesetzt, die nicht nur schädliche Insekten bekämpfen, sondern auch die nützlichen. Dies bedroht die natürliche Artenvielfalt und damit den Lebensraum der Bienen. Verantwortlich dafür sind vor allem Spritzmittel für Kernobst und gebeiztes Saatgut, die im konventionellen Landbau großzügig verwendet werden. Vor allem Felder mit Mais, Kürbis und Raps sind für Bienen riskant. Österreich lässt Insektizide zu, die in anderen Ländern der EU, wie Italien, Deutschland oder Slowenien, bereits verboten sind. Diese Pestizide wurden jetzt sogar im Honig nachgewiesen.
Entgegen gängiger Vorstellungen schaffen Städte jedoch sehr gute Lebensbedingungen für die kleinen Honigproduzenten. Parkanlagen, Hausgärten, Alleen, verwilderte Grundstücke, ja selbst Verkehrsinseln und Balkonpflanzen bieten den Bienen vom Krokus im Frühjahr bis zur Goldrute im November stets einen reich gedeckten Tisch. Und gerade die Blütenpracht der Wiener Stadtgärten und Schlösser bietet ein vielfältiges Nahrungsangebot. Viele Metropolen Europas haben sich das Projekt „Stadtbiene“ bereits zum Vorbild genommen und ebenfalls Bienenvölker auf ihren Dächern angesiedelt.
So verwundert es nicht, dass die Bienen der Wiener Staatsoper im vergangenen Jahr rund 30 Kilo Honig produziert haben, der medienwirksam von Künstlern des Hauses aus den Waben geschleudert wurde. Der „singende Honig“ wurde dann im März dieses Jahres als kleine Aufmerksamkeit an die Gäste des Opernballs verteilt.
Dass sich künftig zu den Streicherklängen aus dem Orchesterraum das Summen der Bienen mischt, stört den Staatsopern-Direktor Dominique Meyer jedenfalls nicht. Es sei schön, in Zeiten von Umwelt- und Luftverschmutzung ein solches Zeichen zu setzen. Außerdem habe er bereits Erfahrung mit Bienen auf dem Dach: „Als ich vor 20 Jahren in der Pariser Oper gearbeitet habe, hat ein Bühnenarbeiter auf dem Dach einen Bienenstock aufgestellt“, erinnerte er sich. Den Stock gibt es heute noch und der Honig ist laut Meyer sehr gefragt – vor allem bei japanischen Touristen. Auch im „Big Apple“ fühlen sich Bienen wohl. Im New Yorker Stadtteil Manhattan hält der ehemalige Busfahrer David Graves seit über zehn Jahren 13 Bienenvölker – trotz eines erst in diesem Jahr aufgehobenen Bienenhaltungsverbots in New York.