Die Angst vor einer kaum vorhersehbaren Inflation bei Dauer und Höhe ist überall in Europa spürbar. Nicht umsonst ist der Goldpreis in schwindelerregende Höhen geklettert. Inflation wird aber auch häufig mit der Teuerungsrate verwechselt.
Was ist Inflation und wie kann man sie berechnen. Damit befasst sich der folgende Abschnitt unserer Börsenserie.
Die bisher erschienen Folgen sind auf der Internetseite www.polensky.ch nachlesbar.

Die Inflation ist ein andauernd „signifikanter“ exponentieller Anstieg des Preisniveaus infolge ständiger Ausweitung der Geldmenge durch Staaten oder Zentralbanken. Es verändert sich also das Austauschverhältnis von Geld zu allen anderen Gütern zu Lasten des Geldes. Für eine Geldeinheit gibt es weniger Güter, oder umgekehrt: Für Güter muss mehr Geld gezahlt werden, das heißt sie werden immer teurer. Die Inflation ist eine Geldentwertung.

Die Inflationsrate, die Preissteigerungsrate oder die Teuerungsrate bezeichnet den
Anstieg der Lebenshaltungskosten innerhalb eines Jahres. Um die Inflation zu messen, wird vom Statistischen Bundesamt ein repräsentativer Warenkorb aus Gütern und Dienstleistungen zusammengestellt, dessen Kostenentwicklung dann mit Werten aus der Vergangenheit verglichen wird, wobei der prozentuale Anstieg der Kosten die Inflationsrate wiedergibt. Anders ausgedrückt gibt die Inflation an, welchen Kaufkraftverlust der Anleger erleidet, wenn er zu zwei verschiedenen Zeitpunkten über dieselbe Menge an Geld verfügt.

Zum besseren Verständnis von Inflation, Nominalwert und Realwert des Geldes ein Beispiel:
Ein repräsentativer Warenkorb hatte am 31.12.2008 einen Wert von 1.000 Euro. Zum 31.12.2009 betrug sein Sachwert 1000€ und sein Preis 1.020 Euro. Die Verbraucher mussten also zum Erwerb derselben Güter Ende 2009 20 Euro mehr ausgeben, als noch Ende 2008. Die Inflationsrate beträgt in unserem Beispiel also 2 Prozent.
Der Nominalwert des Geldes von 10 Banknoten á 100 Euro blieb in dieser Zeit gleich, da er sich ja auf den aufgedruckten Wert des Geldes bezieht.
Der Realwert des Geldes hingegen sank. Aber nicht um 2 Prozent, sondern nach Anwendung des Dreisatzes kommen wir auf 1.020 Euro / 1.000 Euro = 1.000 Euro / X. Aufgelöst nach X kommen wir auf X = 980,39 Euro. Bezogen auf die 1.000 Euro des Vorjahres sank die Kaufkraft zum Ende 2006 um 1,96 Prozent. Anders ausgedrückt: konnte man am 31.12.2008 mit 1.000 Euro noch den gesamten Warenkorb kaufen, so konnte man mit denselben 1.000 Euro zum 31.12.2009 nur noch 98,04 % desselben Warenkorbes kaufen.

Die Berechnung der Inflation
Die Inflationsberechnungen gelten für den Anstieg der Preise (des Nominalwerts) der Sachwerte bei konstantem Realwert (= Nominalwert zum Bezugszeitpunkt).

Die Inflationsrate i ist der Preisanstieg durch Inflation für einen Sachwertes in Prozent vom Ausgangspreis in einem Jahr.
i =
P0 = Realwert des Sachwertes (= Nominalwert zum Bezugszeitpunkt)
P1 = Preis nach 1 Jahr = Nominalwert des Sachwertes

Der Inflationsfaktor Qi ist das Verhältnis des Nominalwertes nach t Jahren zum Realwert.
Der Gesamtpreisanstieg verläuft exponentiell-progressiv.
Qi = (1+i)t = = Qi > 1 Tab. 1 (i statt r)

Die durchschnittliche Inflationsrate für die letzten t Jahre
Ist ein Preisanstieg Pt für t Jahre Inflation gegeben, dann errechnet sich die durchschnittliche Inflationsrate pro Jahr zu:
i = Qi1/t 1
Die Berechnung des Kaufkraftverlustes
Die Kaufkraftverlustberechnungen gelten für Nominal- und Sachwerte.
Sachwerte werden in Geld, also zum Nominalwert, bewertet und gehandelt. Da der Nominalwert (Preis) der Sachwerte mit der Inflation steigt, muss auch bei Sachwerten die Inflationsrate wieder heraus gerechnet, um die sie vorher gestiegen sind, um auf Realwerte zu kommen. Auf den Realwert des Sachvermögens hat die Inflation somit keinen Einfluss. Sachwerte sind real inflationsgeschützt.

Der Kaufkrafterhaltfaktor Si ist der Gesamtkaufkrafterhalt in% vom Ausgangswert nach t Jahre Inflation. Der Gesamtkaufkrafterhalt verringert sich exponentiell-degressiv mit der Zeit.
Si = Si < 1 Tabelle 4

Beispiel: Bei einer Inflationsrate von 3,5% verbleibt vom angesparten Vermögen nach Gebühren und Steuern nach 20 Jahren die Hälfte Si = (1/(1+0,035))20 = 0,5026 = 50,3%, nach 40 Jahren ein Viertel und nach 60 Jahren ein Achtel des Vermögens.
Vorteil der Inflation: Der Langfristanleger, der 40 Jahre sine Anlage hält, zahlt erst nach 40 Jahren seine Gewinnsteuer, dann ist diese „real“ nur noch ein Viertel wert.

Tabelle 4 Kaufkrafterhaltfaktor nach Inflation Si in „t“ Jahren Si = (1/(1+i))t (in % Erhalt)
Inflationsrate (i) % pro Jahr
t 0,05% 0,10% 0,50% 1% 1,5% 2,0% 2,5% 3,0% 3,5% 4,0% 4,5% 5,0%
1 99,95% 99,90% 99,50% 99,01% 98,52% 98,04% 97,56% 97,09% 96,62% 96,15% 95,69% 95,24%
5 99,75% 99,50% 97,54% 95,15% 92,83% 90,57% 88,39% 86,26% 84,20% 82,19% 80,25% 78,35%
10 99,50% 99,01% 95,13% 90,53% 86,17% 82,03% 78,12% 74,41% 70,89% 67,56% 64,39% 61,39%
20 99,01% 98,02% 90,51% 81,95% 74,25% 67,30% 61,03% 55,37% 50,26% 45,64% 41,46% 37,69%
30 98,51% 97,05% 86,10% 74,19% 63,98% 55,21% 47,67% 41,20% 35,63% 30,83% 26,70% 23,14%
40 98,02% 96,08% 81,91% 67,17% 55,13% 45,29% 37,24% 30,66% 25,26% 20,83% 17,19% 14,20%
50 97,53% 95,13% 77,93% 60,80% 47,50% 37,15% 29,09% 22,81% 17,91% 14,07% 11,07% 8,72%
60 97,05% 94,18% 74,14% 55,04% 40,93% 30,48% 22,73% 16,97% 12,69% 9,51% 7,13% 5,35%

Sachwerte und Geldwerte in der Inflation
Der Unterschied zwischen Geld- und Sachvermögen ist folgender:
Beim Sachvermögen steigt bei konstantem Realwert der Nominalwert mit der Inflationsrate i
Beim Geldvermögen sinkt bei konstantem Nominalwert der Realwert mit der Kaufkraftverlustrate v = i/(1+i).
Beide, sowohl das Sachvermögen als auch das Geldvermögen müssen nominal mit der Inflationsrate wachsen, damit der Realwert erhalten bleibt.
Der Nominal- und der Realwert des Sachvermögens kann sowohl steigen (positive Renditen = Gewinne) als auch fallen (negative Renditen = Verluste)
Der Nominalwert des Geldvermögens kann durch Zinsen und Zinseszinsen steigen, aber nicht fallen, da es keine negativen Zinsen gibt. Der Realwert des Geldvermögens fällt aber, wenn die Inflationsrate größer als der Zinssatz ist.
Resultat: Jede Geld- oder Sachanlage, die nominal nach Steuern und Gebühren weniger als die Inflationsrate einbringt führt zu einer Abnahme des Realvermögens.
Bei einer Inflation ist der Anstieg der Realwerte von Sachwerten wahrscheinlich, da mit mehr vorhandenem Geld knapper werdende Sachwerte gekauft werden.

Die Bewertung des Sachvermögens
a.) Bewertung der Vergangenheit
Soll beim Sachvermögen das reale Wachstum ermittelt werden, dann ist der Nominale Preis der Vergangenheit durch den Kaufkrafterhaltfaktor zu dividieren und mit dem heutigen Preis zu vergleichen.
Beispiel 1: Der Goldpreis lag 1980 bei 500 € pro Unze und ist heute bei 950 € pro Unze. Beim inflationsbereinigten Preisvergleich ist der Wert von 1980 durch 0,5 (aus Tab 5) zu dividieren 500 / 0,5 = 1000 €, Das Gold ist real in 30 Jahren in nicht gestiegen.
Beispiel 2: Die Häuserpreise haben sich im Durchschnitt seit 1980 verdoppelt. Damit sind sie real nicht gestiegen.

b.) Bewertung der Zukunft
Soll der reale Wachstumsfaktor des Sachvermögens ermittelt werden, dann ist der (nominale) Wachstumsfaktor des Sachvermögens mit dem Kaufkrafterhaltfaktor zu multiplizieren bzw. durch den Inflationsfaktor zu dividieren.
Bei einem realen Wachstumsfaktor von 1 (konstantes Realvermögen) wächst das Nominalvermögen der Sachwerte mit dem Inflationsfaktor.

Beispiel: Der Goldpreis steigt um 20% Q = 1,2. Die Inflationsrate liegt bei 5% Qi = 1,05. Der reale Goldpreiswachstumsfaktor ist Qr = Q / Qi = 1,2 / 1,05 = 1,1429. Die reale Wachstumsrate ist 14,29 %

Die Bewertung des Geldvermögens
a.) Bewertung der Vergangenheit
Soll beim Geldvermögen das reale Wachstum ermittelt und der in der Vergangenheit angelegte Nominalwert mit dem heutigen Nominalwert (= Realwert) verglichen werden, dann sind die heutige Wert mit dem Kaufkrafterhaltfaktor zu multiplizieren.
Beispiel: Bei einem Geldvermögen das 1980 angelegt wurde ist die Kaufkraft heute nur noch 50 %. (siehe Tab 5) Um die Kaufkraft zu erhalten hätte sich das Geldvermögen verdoppeln müssen.

b.) Bewertung der Zukunft
Soll der reale Wachstumsfaktor des Geldvermögens ermittelt werden, dann ist der (nominale) Wachstumsfaktor des Geldvermögens mit dem Kaufkrafterhaltfaktor zu multiplizieren bzw. durch den Inflationsfaktor zu dividieren.
Beispiel: Gegeben 1000 € Vermögen oder 1000 € Schulden bei einer Inflationsrate von 3%. Wie hoch sind real das Vermögen oder die Schulden nach 20 Jahren
Qv =1 / (1+i)t = 1 / (1+0,03)20 = 0,5536 = 55,36% des Ausgangsvemögens bzw. der Ausgangsschulden.

Die Ursachen der Inflation
Die Inflation ist eine Steigerung des Preisniveaus. Die empirisch sehr gut belegte Quantitätsgleichung zur Berechnung des Preisniveaus lautet:
P =
P = Preisniveau, M = Geldmenge, U = Umlaufgeschwindigkeit des Geldes
Y = Reale Produktion (das Handelsvolumen), Das jährliche Bruttoinlandsprodukt.

Wenn in einem Staat mehr Geld vorhanden ist als Waren und Güter hergestellt werden, dann gibt es eine Inflation.

Die Folgen der Inflation
Bei Sachwerten steigt der Preis und bei Geldwerten sinkt die Kaufkraft.
Die Inflation benachteiligt Gläubiger und begünstigt Schuldner.
Bei Schulden gilt das Nominalprinzip, d.h. das auch bei sehr hoher Inflationsrate bleiben
1000 € Schulden immer 1000 € Schulden. Real sind die Schulden dann aber nur noch einen Bruchteil wert.
Eigentümer von Sachwerten sind bei der Inflation begünstigt.

Resultat: Kauf von Sachwerten mit Schulden, aber nur wenn die Sachwerte auch werthaltig sind und real wachsen.

Die Folgen bei steigender Inflation
Bei steigender Inflation wird das Geld schneller entwertet. Der Außenwert wird abgewertet und der Wechselkurs fällt. Die Zentralbank lässt die Zinsen steigen, damit das Geld teurer wird, um die Inflationsrate zu reduzieren. Das dämpft die Konjunktur.

Problem des Denkens in Nominalwerten

Wir denken, entscheiden und handeln nominal in Geldwerten und verdrängen die Realität, dass die reale Wertsteigerung des Sachvermögens viel geringer ist, da der aktuelle Geldwert
die Inflationsrate mit beinhaltet. Die Wertsteigerung bei Sachwerten setzt sich aus der realen Wertsteigerung und der Inflationsrate zusammen.

Real:
– sind die Immobilienpreise in Deutschland im Durchschnitt seit 1975 um 25% gefallen.
– sind die Mieten seit 1975 um 10% gestiegen.
– ist der Goldpreis von seinem Höchstpunkt 1980 um 5% gefallen.
– ist der Investmentfond Berkshire Hathaway von Buffet seit 2002 um 13% gefallen.
– haben sich die Löhne seit 1975 verdoppelt.
– sind die Regelaltersrenten seit 1975 um 30% gefallen.
– schließen wir Lebensversicherungen ab in die wir mehr einzahlen als wir heraus bekommen

Zusammenfassung:

Nur in Sachanlagen z.B. Indexaktien investieren, da bei Geldanlagen alle 20 Jahre real mindestens die Hälfte durch Inflation vernichtet wird.

Sachwerte wachsen nominal mit der Inflation. Real werden Sachwerte von der Inflation nicht beeinflusst. Da Sachwerte nominal bewertet werden, muss real der Inflationsanstieg wieder heraus gerechnet werden.