Die p. A. – GmbH Personalleasing. Hinter diesem Namen steht ein Unternehmen der Zeitarbeit, das inzwischen über 20 Filialen überall in Deutschland verfügt und vor 15 Jahren in Magdeburg gegründet wurde. Seither sind Harald Darlong und Uwe Lamprecht die Geschäftsführer. aspekt sprach mit ihnen über die Vergangenheit und die Zukunft der Branche und ihres Unternehmens.

aspekt:

Genau am 1. Januar 1996 nahmen Sie die Geschäftstätigkeit mit einer „Befristeten Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung“ auf. Was waren damals Ihre Erwartungen?

Die p. A. – Geschäftsführer H. Darlong und U. Lamprecht:

Die Erwartungen waren natürlich hochgesteckt. Das Ziel der damaligen Gesellschafter und Firmengründer war, ein modernes, mittelständisches ostdeutsches Unternehmen aufzubauen, das vor allem den Menschen in den neuen Bundesländern Arbeit und Perspektive gibt. Von Beginn an war es uns wichtig, den Mitarbeiter in den Mittelpunkt der Tätigkeit zu stellen und vor allem soziale Aspekte umzusetzen.

aspekt:

Drei Jahre später wurde die Befristung bei der Erlaubnis zur Arbeitnehmerüberlassung in unbefristet übergeleitet. Was waren die Voraussetzungen dafür?

Die p. A. – Geschäftsführer H. Darlong und U. Lamprecht:

Der Gesetzgeber stellt hohe Anforderungen an einen Erlaubnisinhaber für die gewerbliche Arbeitnehmerüberlassung. Eine unbefristete Erlaubnis für die Arbeitnehmerüberlassung kann frühestens nach 3-jähriger Tätigkeit gestellt werden. Die Erlaubnisbehörde, in diesem Fall die zuständige Regionaldirektion der Bundesagentur für Arbeit in Halle, prüft sehr sorgfältig vor deren Erteilung, ob der Erlaubnisinhaber auch die für diese Tätigkeit erforderliche Zuverlässigkeit besitzt. Das heißt unter anderem, dass alle gesetzlichen Bestimmungen, Vorschriften des Sozialversicherungs- und des Steuerrechts, oder auch bestehende Bestimmungen über die Arbeitsvermittlung, die Ausländerbeschäftigung, des Arbeitsschutzes und des Arbeitsrechtes eingehalten werden.

Damit ist unsere Branche auch eine der am meist kontrollierten in Deutschland. Werden bei den Prüfungen Verstöße aufgedeckt, kann die unbefristete Erlaubnis für ein weiteres Jahr unter Auflagen ausgesetzt oder auch die bestehende befristete Erlaubnis versagt werden. Das wäre dann natürlich mit der Einstellung der Geschäftstätigkeit verbunden.

aspekt:

Wie hat sich der Arbeitsmarkt mit Blick auf Ihre Branche verändert?

Die p. A. – Geschäftsführer H. Darlong und U. Lamprecht:

Die Zeitarbeit ist heute eigentlich als fester Bestandteil für die nationale und internationale Wirtschaft als flexibles Instrument der Personalbereitstellung in fast allen Branchen nicht mehr wegzudenken. 1996 waren gerade einmal rund 200 000 Menschen in Personaldienstleistungsunternehmen beschäftigt, heute sind es fast eine Million.

Aber auch die Mitarbeiterstruktur der Beschäftigten hat sich wesentlich verändert. War es vor 15 Jahren noch ein sehr hoher Anteil an Helfertätigkeiten, der über Zeitarbeit abgedeckt wurde, so hat sich das Bild auch hier gewandelt. Unsere eigenen Erfahrungen zeigen hier, dass insbesondere qualifizierte Fachkräfte bis hin zu ingenieurtechnischem Personal in den Kundenfirmen gefragt sind. Aber nicht nur Handwerk und Industrie arbeiten verstärkt mit Zeitarbeitspersonal. Immer mehr Dienstleister, Handelseinrichtungen oder auch Pflegeeinrichtungen nutzen die Möglichkeit von Personaldienstleistern.

aspekt:

Sie arbeiten bereits seit 2004 mit dem Tarifvertrag für Zeitarbeit. War das vor sechs Jahren schon allgemein üblich?

Die p. A. – Geschäftsführer H. Darlong und U. Lamprecht:

Eine der weitreichendsten Reformen des Arbeitnehmerüberlassungsgesetzes wurde im Dezember 2002 durchgeführt. Eine ganze Reihe von Restriktionen, die die Zeitarbeitsbranche bis zu diesem Zeitpunkt extrem behinderte, wurde im Gesetz gestrichen. Neu aufgenommen wurde jedoch das sogenannte Equal Pay, das heißt, dass den Zeitarbeitern gleicher Lohn und gleiche Arbeitsbedingungen zu gewähren sind, wie einem vergleichbaren Mitarbeiter des Stammpersonals. Das wäre bereits organisationstechnisch so gut wie unmöglich und hätte sicherlich auch zu Spannungen unter den Kollegen geführt. Der Gesetzgeber hat aber ausdrücklich die Ausnahme zugelassen, dass diese Regelung dann nicht gilt, wenn die Verleihfirma einen eigenen gültigen Tarifvertrag anwendet. Das Übergangsjahr 2003 wurde von der gesamten Branche dazu genutzt, Tarifverträge mit den Gewerkschaften abzuschließen. Das ist auch einer der wesentlichen Gründe, weshalb die gesamte Zeitarbeitsbranche seit dem Jahr 2004 Tarifverträge fast zu 100  Prozent anwendet.

aspekt:

Wie ist Ihre Position in der aktuellen Diskussion um gesetzliche Mindestlöhne?

Die p. A. – Geschäftsführer H. Darlong und U. Lamprecht:

Die Diskussion um die Einführung von Mindestlöhnen wird ja bereits seit geraumer Zeit geführt. Anfangs gab es seitens der Zeitarbeit dazu auch eine abwehrende Haltung. Aktuell ist jedoch die Situation so, dass die drei bestehenden großen Arbeitgeberverbände der Zeitarbeit sich mit ihren Tarifpartnern, den Gewerkschaften, bereits auf Mindestlöhne geeinigt haben. Auch wir als Unternehmen stehen diesem Vorhaben positiv gegenüber. Wollen sie heute gut qualifizierte Fachkräfte als Zeitarbeiter einstellen, bekommen sie diese selbst für den angestrebten Mindestlohn von 7,50 Euro pro Stunde kaum auf dem Arbeitskräftemarkt. Letztlich sind hier auch immer wieder die fachliche Qualifikation, die Zuverlässigkeit und das Engagement des einzelnen Mitarbeiters entscheidend.
Wir sind persönlich auch der Meinung, dass unsere Branche perspektivisch nicht um die gleiche Bezahlung der Mitarbeiter herumkommt, die Frage ist jedoch, wie es gestaltet werden soll und ab welcher Einsatzdauer des Mitarbeiters.

aspekt:

Welche Prognose stellen Sie für die Entwicklung der Zeitarbeit in den nächsten 15 Jahren?

Die p. A. – Geschäftsführer H. Darlong und U. Lamprecht:

Zeitarbeit ist aus der Wirtschaft und anderen Bereichen nicht mehr wegzudenken. Zeitarbeit darf perspektivisch aber nicht mehr als Möglichkeit des Lohndumpings genutzt werden. Zeitarbeit wird künftig mehr und mehr ein Flexibilisierungsinstrument für die Arbeitskraft, für den Ausgleich von Arbeitsspitzen.
Deutschland liegt im internationalen Vergleich des Anteils Zeitarbeiter an den Gesamtbeschäftigten noch immer unterhalb des Durchschnitts. Hieraus ergibt sich für die Branche innerhalb der nächsten Jahre durchaus noch viel Entwicklungspotential. Zeitarbeit wird auch künftig ein Sprungbrett für viele Arbeitskräfte für einen festen Job in einer Einsatzfirma sein. Perspektivisch werden aber auch viele Firmen in den einzelnen Branchen verstärkt die Möglichkeit nutzen, relativ problemlos ihren Bedarf von qualifizierten Arbeitskräften über Zeitarbeitspersonal abzudecken.

Damit kommen neben der Lohngestaltung künftig noch viele weitere Aufgaben auf die Zeitarbeitsbranche zu. Das sind insbesondere die Qualifizierung und Weiterbildung von Zeitarbeitern, aber auch des Angestelltenpersonals der einzelnen Zeitarbeitsfirmen.

Es wird künftig wesentlich verstärkt Qualitätsstandards für diese Firmen geben, an denen sich Bewerber und Kunden orientieren können. Die Ressource Arbeitskraft wird auf Grund der demografischen Entwicklung in Deutschland immer wertvoller, was sicherlich auch die Zeitarbeit zu spüren bekommt.
Damit gewinnen auch alle Maßnahmen für die Bindung der Mitarbeiter an die Unternehmen immer mehr an Bedeutung, insbesondere auch der soziale Aspekt.