Auf kaum einer festlich gedeckten Advents-Kaffeetafel fehlen die Kalorienbomben Schlagsahne oder Kaffeesahne. Doch es geht auch anders. Aus dem kleinen Ort Laucha an der Unstrut in Sachsen-Anhalt kommen diese Leckereien auch mit deutlich geringeren Attacken auf die gute Figur.

LeHA-Lebensmittel, das sind Schlagfix und Sprühfix, Pudding, Kaffeeweißer, Mandelmilch, Tomatenketchup – alles hergestellt auf rein pflanzlicher Basis, ohne Laktose und Cholesterin, auch gluten- und sojafrei, ohne Zusatz von Farbstoffen und: kalorienreduziert.
Die LeHA-Lebensmittel unter der Dachmarke „Schlagfix“ stehen bundesweit in den Regalen unter anderem von EDEKA, Kaufland, Real, Netto oder coop. Der Weg vom kleinen Laucha an der Unstrut bis dorthin war lang und nicht ohne Hürden. LeHA-Geschäftsführerin Kirsten Hartung bewältigte ihn als studierte Sportwissenschaftlerin mit großem persönlichen Einsatz, Ehrgeiz und Durchhaltevermögen.
Gerade ist Kirsten Hartung von der Anuga zurück. Der Besuch dieser Lebensmittel-Fachmesse in Köln hat für sie Tradition. Dabei geht es eher darum zu schauen, was andere machen. Kundenkontakte knüpft die 41-jährige mit einem ausgeklügelten Marketing-Konzept hauptsächlich auf anderen Wegen.
Hätte sie nicht die Ausdauer und den Ehrgeiz gehabt, diese Wege mit all ihren Höhen und Tiefen zu gehen, ohne zu verzagen, gäbe es LeHA-Schlagfix gar nicht mehr. Das wäre ein Verlust für all jene, die sich aus Gesundheitsgründen laktose-, cholesterin- oder glutenfrei ernähren müssen. „Ich wusste auch gar nicht, dass es in Deutschland so viele Vegetarier und Veganer gibt“, sagt Kirsten Hartung, die jede Menge Post von Menschen mit dieser Ernährungseinstellung bekommt. LeHA-Produkte werden rein pflanzlich hergestellt. Kunden in Israel, wo man aus Glaubensgründen bestimmte Ernährungsgewohnheiten hat, signalisieren Interesse. Kirsten Hartung zeigt die Sprühfix-Dose mit hebräischer Aufschrift. Das Produkt ist „kosher parve“-zertifiziert. Das heißt: Es kann zu Milch- und zu tierischen Produkten verzehrt werden.
Im Büro der Geschäftsführerin steht eine bunte Anschauungspalette einstiger, jetziger und auch künftiger Verpackungen von LeHA-Produkten. Vieles erkennt man aus den Regalen von Supermärkten wieder.
Aber wie kommt eine Frau aus Sachsen-Anhalts Weinregion auf die Idee, pflanzliche Schlagsahne herzustellen?
Wie so oft im Leben durch das Zusammenspiel von Zufällen. Kirsten Hartung zählt auf: „Fälle von Laktoseunverträglichkeit in der Familie und 2002 die Bekanntschaft in Bulgarien mit einem Produzenten, der laktosefreie Produkte für Bäckereien herstellt.“ Dass es vor etwa zehn Jahren auf dem deutschen Markt noch nichts Vergleichbares gab, sah Kirsten Hartung als Herausforderung. Eigentlich ist sie studierte Sportwissenschaftlerin mit Fachrichtung Pferdesport. Aber nicht nur deswegen sind gesunde Lebensmittel für sie ein Thema. Wo Kirsten Hartung heute ihr Büro hat, stand zu DDR-Zeiten das Lebensmittelkombinat Ogis, in dem ihr Großvater 20 Jahre lang als Buchhalter gearbeitet hat. Kirsten wuchs an der Quelle von „Früchte C“ auf, der DDR-weit begehrten Kindernahrung in den braunen Fläschchen.
Noch ein günstiger Zufall: Prof. Thomas Kleinschmidt, der an der Hochschule Anhalt die Arbeitsgruppe „Lebensmittelverfahrenstechnik und Milchtechnologie“ leitet, stammt auch aus Laucha. Und Laucha ist klein…
Was beim Zusammentreffen von Sportsgeist und Forscherdrang herauskam, war und ist bis heute einzigartig: Eine pflanzliche aufschlagfähige Mischung aus Wasser und nur 15 Prozent Pflanzenfett der Ölpalme. 2003 war das Produkt markttauglich. Um es bekannt zu machen, zogen die Familienmitglieder mit Ständen auf Märkte, nahmen Kaffee, Kuchen und ein Mixgerät mit und boten den Schlagschaum zur Verkostung an. „Aus vielen Gesprächen mit Vertretern von Marktketten entwickelte sich kein Geschäft“, erinnert sich Kirsten Hartung noch zu gut. „Da muss man jemanden treffen, der sich persönlich für das Produkt interessiert, dem das gefällt, dem das schmeckt“, sagt sie, und dass der Vertreter von EDEKA so einer war, der wichtige Türen öffnete.
Mit der Listung aber tat sich das nächste Problem auf. In Deutschland einen Hersteller zu finden, der seine Maschinen auf diese besondere Zutatenmischung einstellen kann, erwies sich als aussichtslos. Aus dieser Not heraus wird der Schlagschaum in Italien hergestellt und abgefüllt.
„Ein ähnliches Problem haben wir nun mit der Produktion unseres neuen Brotaufstrichs“, verkündet die LeHA-Geschäftsführerin. Gemeinsam mit der Hochschule Anhalt hat sie einen frischkäseähnlichen Brotaufstrich auf Pflanzenbasis entwickelt. Aber wo dieses neue Produkt mit seinen Geschmacksrichtungen Tomate, Paprika und Kräuter hergestellt wird, ist noch die Frage.
Kirsten Hartung setzt ihren sportlichen Ehrgeiz daran, einen innovativen Hersteller in Deutschland zu finden, der wie sie neue Ideen als Herausforderung annimmt.