Ein Paar Handschuhe aus der Werkstatt von Viktoria Wilkens werden am 14.01.2015 bei einem Pressetermin in Magdeburg (Sachsen-Anhalt) gezeigt. Sie wird am Rande der "Berlin Fashion Week" am 17.01.2015 in der Landesvertretung Sachsen-Anhalts in der Bundeshauptstadt ihre aktuellen Kreationen unter dem Motto "Otto macht Mode" während einer Modenschau präsentieren. Foto: Jens Wolf | Verwendung weltweit

Ein Paar der von Viktoria Wilkens handgefertigten Handschuhen, die bei einer Veranstaltung der Landesvertretung Sachsen-Anhalt in Berlin gezeigt wurden. Foto:dpa

In Magdeburg befindet sich eine der letzten Handschuhmanufakturen Deutschlands. Viktoria Wilkens hat vor drei Jahren das Geschäft übernommen. Uraltes Handwerk in jungen Händen. aspekt wollte Näheres erfahren und hat nachgefragt.

 

aspekt: Die Handschuhmanufaktur Schmidt kann auf eine 61 Jahre lange Tradition zurückschauen. Der Familienbetrieb hat Höhen und Tiefen der gesellschaftlichen Entwicklung erlebt und überstanden. Wie schafft man das?

 

Viktoria Wilkens: Mein Großvater Claus Schmidt legte 1955 seine Meisterprüfung ab und gründete zusammen mit seinem Vater unseren Familienbetrieb. Allerdings verstarb mein Urgroßvater früh und mein Großvater übernahm den Betrieb. Zu DDR-Zeiten konzentrierte er sich auf orthopädische Maßhandschuhe – also beispielsweise Handschuhe bei Teilamputationen oder bei Allergien – und war ab 1984 auch der alleinige Hersteller. Da man damals alle zwei Jahre orthopädische Handschuhe auf Rezept bekam, hatte er mit rund 25 000 Handversehrten einen beachtlichen Kundenkreis. Nach der Wende brach vieles davon weg. Ohne die Unterstützung meiner Großmutter, die als Kindergärtnerin arbeitete, wäre es vermutlich schwierig geworden. Allerdings hat mein Großvater dann die Herstellung modischer Maßhandschuhe mit inbs Programm übernommen  und konnte somit über Jahre hinweg seinen Betrieb wieder aufbauen.

 

aspekt: Wie sind sie als Enkelin dazu gekommen, den Familienbetrieb zu übernehmen?

 

Viktoria Wilkens: Ich bin damit aufgewachsen. Als Kind war ich immer in der Werkstatt und durfte meine Großeltern auf Messen begleiten. Auch während meiner Ausbildung und meines Studiums habe ich immer nebenbei in der Werkstatt gearbeitet. Als mein Großvater vor ein paar Jahren sehr krank wurde, standen wir vor der Wahl, einen Nachfolger zu finden oder die Werkstatt zu verkaufen – das konnte ich nicht geschehen lassen. Also habe ich mein Studium abgebrochen und 2013 den Betrieb übernommen. Ich habe glücklicherweise den Beruf von klein auf erlernt, denn gibt es keine Ausbildung mehr, da es offiziell kein handwerkstypischer Beruf, sondern lediglich ein handwerksähnlicher Beruf ist.

 

aspekt: Damit sind sicherlich Probleme mit qualifizierten Mitarbeitern verbunden?

 

Viktoria Wilkens: Richtig. Momentan habe ich nur eine Mitarbeiterin. Doch die Handwerkskammer Magdeburg möchte, dass dieser Beruf trotzdem bestehen bleibt und tut auch sehr viel für uns – vermutlich würde es in Zukunft die Möglichkeit geben, die Ausbildung wieder einzuführen, allerdings gibt es da momentan keine konkreten Pläne.

 

aspekt: Für einen so spezielles Handwerk benötigt man doch sicher auch spezielle Werkzeuge und Maschinen?

 

Viktoria Wilkens: Einige unserer Werkzeuge sind sehr alt. Unsere Nähmaschinen halten seit mehr als 50 Jahre durch, da solche Modelle leider nicht mehr hergestellt werden. Ich kenne nur noch einen Betrieb innerhalb Deutschlands, der zwei oder drei Exemplare solcher Nähmaschinen hat. Wir müssen unsere daher sehr gut pflegen.

 

aspekt: Wie finden sie ihre Kundschaft?

 

Viktoria Wilkens: Innerhalb Deutschlands gibt es nur noch zwei weitere Handschuhmanufakturen, allerdings sind wir bei orthopädischen Maßhandschuhen der einzige Betrieb, und somit kommen Kunden aus ganz Deutschland zu uns, vereinzelt aus der Schweiz, Österreich, Dänemark und England. An sich haben wir eine sehr unterschiedliche Kundschaft: Alt oder Jung, Mann oder Frau, das Angebot wird gleichermaßen gut angenommen. Ich hoffe auch immer auf mehr Kundschaft, da hinter unseren Maßhandschuhen hochwertige Qualität steckt – das merkt man immer erst beim Tragen. Man muss erst wieder einmal das Verständnis dafür schaffen, Geld in die Hand zu nehmen und sich gute Handschuhe zu leisten, die mindestens zehn Jahre lang halten.

 

aspekt: Wie planen sie für die Zukunft?

 

Viktoria Wilkens: Wir möchten gern den Kundenkreis der Autofahrer- und Golfspieler erobern. Auf einigen Messen haben wir großes Interesse daran erkannt und planen, im nächsten Jahr diesen Bereich auszuweiten. Für uns ist wichtig, das Geschäft generell noch bekanntes zu machen Ein Onlineversandhandel war eine Überlegung, aber das möchte ich nicht einführen. Wir haben den Anspruch an hochwertige Qualität – maßgeschneiderte Handschuhe und zufriedene Kunden sind nur möglich, wenn man zu uns in den Betrieb kommt.