Fortsetzung der aspekt-Serie über ein Projekt 13 junger Magdeburger in ihrer Partnerstadt Harbin in China

Tagtäglich stürmen Nachrichten aller Art über das Riesenreich China auf uns ein. Es geht um wirtschaftliche und militärische Macht, um Klimawandel oder Finanzkrisen. Aber nur wenig wissen wir darüber, wie die Chinesen leben, ihren Alltag bewältigen, welche Sorgen und Freuden sie haben. Und noch weniger wissen wir darüber, was die jungen Leute in China, die Zukunft des Landes, bewegt.

Um das zu ändern machten sich 13 Jugendlichen aus Magdeburg nach Habin, der chinesischen Partnerstadt ganz im Osten des Riesenreichs auf, um in einem Projekt ihre ganz subjektive Sicht einzufangen. Was dabei herauskam, darüber berichteten schon in der Dezemberausgabe von aspekt Robin Zöffzig, Kunststudent, Yan Arnold, Physikstudent, und Felix Paulin, seit kurzem mit dem Abschluss als Betriebswirtschaftler..
Sie versuchten so viele Eindrücke wie möglich einzufangen und mit zurück nach Deutschland zu bringen. Ihre Recherche bezog sich dabei nicht nur auf Themen, wie Mode und Musik. Sie beschäftigten sich zudem mit der faszinierenden Welt der Kunst und versuchten chinesische Tradition und Kultur zu durchleuchten.

Was ist überhaupt „schön“ und welche „Klamotten“ sind angesagt? – Beauty and Fashion

Unsere Studenten versuchten herauszufinden, worin die Unterschiede und Gemeinsamkeiten zur deutschen Modekultur bestehen. Was tragen Chinesen zu besonderen Anlässen, wie Hochzeit oder Beerdigung? Gibt es Kleidervorschriften in Schulen und Büroräumen? Um all dies herauszufinden, begaben sich die Studenten mit der Kamera einfach auf die Straße, hielten den einen oder anderen an, um ihn abzulichten. Das Ergebnis ist hier zu sehen: Junge Chinesen sind sehr modebwußt, achten auf Marken und zeigen auch gern, was sie chic finden. Großartige Unterschiede – keine.

Hier spielt die Musik
Musik bestimmte einen großen Teil des Projektes. Die Bedeutung von Musik und deren Tradition sollte ergründet werden. Und auch hier haben sich Klischees schnell aufgelöst und das Bild ist viel differenzierter geworden. Bei allem Traditionsverständnis junger Chinesen, wissen sie genau, was auf dem internationalen Musikmarkt gespielt und gehört wird, so dass es praktisch keine musikalischen Verständigungsbarrieren gab.

Kunst für Alle
Ein gemiensamer Kunstkurs für deutsche und chinesische Teilnehmer stand im Programm. Kunststudent Robin Zöffzig organisierte einen Kurs, bei dem man sich über die Kunsterziehung in deutschen und chinesischen Schulen austauschte. Danach wurden dann Porträts und abstrakte Bilder gemalt. So unterschiedlich die Ausdrucksmöglichkeiten und –vorstellungen auch waren, die Probleme, Wünsche und Sehnsüchte junger Leute unterscheiden sich offenbar auf der ganzen Welt nicht.

Studenten im Fokus
Als Botschafter unserer Landeshauptstadt waren die Teilnehmer natürlich auch an der chinesischen Schulbildung interessiert. Durch Interviews mit den Studenten und den Besuchen in Klassenräumen und Fakultäten versuchten sie herauszufinden, wie man in China lernt und studiert. Und hier wurden auch deutliche Unterschiede festgestellt. Ob Schulen oder Universitäten: Alles ist bis zum Letzten durchorganisiert. So hoch die Ansprüche an Bildung und Ausbildung sind, so klein sind sie an die Lebensverhältnisse. Für deutsche Studenten ein Kulturschock und eine enorme Umstellung.
Die Jugend und ihre Kultur
Sind die jungen Chinesen mehr durch Tradition, Werte und Moral geprägt, oder sind auch Spuren des westlichen Einflusses zu erkennen? Natürlich ist der westliche Einfluss unübersehbar. Aber bestimmte Dinge werden völlig anders betrachtet. Sex vor der Ehe scheint eher tabu zu sein. Wer sich für ein Mädchen ernsthaft interessiert, der muss eine größere Summe bei den Eltern hinterlegen. Sozusagen eine Sicherheitsgebühr. Kommt es dann zu einer festen Beziehung, dann wird die Summe an das Paar ausgekehrt. Und wenn es zu keiner Bindung kommt? Man sollte also vorher genau überlegen, welche die Richtige ist, sonst kann das teuer werden.

Alt oder neu?
Tradition und Moderne sind untrennbar mit China verbunden, obwohl sich diese zwei Begriffe sonst nur schwer miteinander verknüpfen lassen. Aber wie passt es dann zusammen? Um das herauszufinden, begeben sich unsere Jugendlichen in die Einkaufszentren, beliebte Treffpunkte der Jugend, und traditionellen Lokalitäten der Stadt Harbin.
Übereinstimmend meinen die drei jungen Magdeburger: „Es war eine großartige Erfahrung. Unser Bild von China hat sich völlig verändert, die Klischees haben sich aufgelöst. Es gibt eine riesige Spanne zwischen arm und reich, aber die Menschen sind freundlich und aufgeschlossen. Bemerkenswert ist auch die Erfahrung, dass sich Armut und Lebensfreude offenbar nicht ausschließen.

Harbin ganz kurz
Es ist die Hauptstadt der Provinz Heilongjiang in der Mandschurei, am Fluss Songhua Jiang, mit mehr als drei Millionen Einwohnern (2006).Für das gesamte Verwaltungsgebiet Harbins wurden rund 9.5 Millionen Einwohner gezählt.
Die Stadt wurde 1898 – nach der Besetzung der nördlichen Mandschurei durch Russland – als Bahnstation der Transmandschurischen Eisenbahn von Russen gegründet, weswegen das Stadtbild der älteren Stadtteile heute noch von russischer Architektur geprägt ist. Besonders nach der Oktoberrevolution flohen viele Russen nach Harbin und haben zum Aufblühen der Stadt beigetragen. 1932 wurde die Stadt von japanischen Truppen besetzt. Nach der Kapitulation Japans im Zweiten Weltkrieg übernahm die Sowjetunion die Stadt. Zwar übergab sie die Stadt vereinbarungsgemäß der Republik China, aber die Truppen der Roten Armee blieben weiterhin dort stationiert. Unter ihrer stillschweigenden Duldung konnte die Kommunistische Partei Chinas die Stadt bereits 1946 erobern. Die Industrieanlagen dort dienten ihnen als Basis für den Sieg im Bürgerkrieg.
Nach der Gründung der Volksrepublik China wurde Harbin in seiner Rolle als Schwerindustriestadt noch ausgebaut. Dafür wurden Menschen aus dem Süden Chinas hierher umgesiedelt und die Technische Universität durch Lehrkräfte aus dem Süden verstärkt. Viele dieser Menschen kehrten nach der Lockerung der Wohnbestimmungen wieder in ihre alte Heimat zurück.
Seit der wirtschaftlichen Reform versuchen Harbin und die Provinz Heilongjiang sich als Brückenkopf im Handel mit Russland zu profilieren.Im Winter ist es in Harbin sehr kalt, in den Nächten kann die Temperatur bis auf Minus 40 Grad Celsius sinken. Oft beginnt es im Oktober schon zu schneien, und der Frost endet meist erst Ende April.
Harbin ist ein Industriestandort mit Branchen wie Maschinenbau, Leichtindustrie, Textilindustrie, Medizin, Lebensmittelindustrie, Automobilindustrie, Elektronik, Chemieindustrie. Eine dominierende Rolle spielen Kraftwerksausrüstungen, Flugzeugbau, die Herstellung von Bussen, Messinstrumenten, Relais sowie Al-Mg-Legierungen.
In Harbin gibt es 19 Hochschulen mit rund 70 000 Studierenden, davon gehört die Technische Universität Harbin) zu den Top Ten in China.
Harbin Taiping ist der größte Internationale Flughafen in Nordchina, Direktflüge in die USA, Russland, Japan und Korea sind möglich. Zudem ist Harbin ein wichtiger Eisenbahnknotenpunkt Nordostchinas. Der erste und zugleich auch der einzige Inlandhafen in China in Harbin erfüllt alle Anforderungen für den direkten Export in alle Welt.