Es gibt Menschen, die tragen das Wort Digitalisierung wie ein Mantra vor sich her. Da wird in Behörden, Einrichtungen, Unternehmen, Banken und Versicherungen auf Teufel hinaus digitalisiert, egal ob es sinnvoll ist oder nicht.

Um es gleich vorweg zu nehmen: Natürlich ist es wichtig, die Entwicklung nicht zu verschlafen, was auf vielen Gebieten ja bereits passiert ist. Nicht minder wichtig ist aber, auch genau zu prüfen, an welchen Stellen die Daten effektiver und schneller sind, oder wo es purer Aktionismus ist.

Man kriegt häufig den Eindruck, das genau dort, wo man am wenigsten davon versteht, der Eifer am größten ist. Doch eine digitale Revolution bewältig man nicht mit Algorithmen, sondern mit Klugheit. Und die Digitalisierung ist eine Revolution – nicht nur eine wirtschaftliche, auch eine gesellschaftliche. Darüber allerdings macht man sich derzeit kaum Gedanken.

Auch für aspekt ist das System aus Einsen und Nullen, die die Welt verändern, ein Thema. Deshalb haben wir uns in der März-Ausgabe der Kampagne des Zentralverbandes des Deutschen Handwerks „Ist das noch Handwerk?“ angelehnt. Das wird auf vielen anderen Gebieten auch künftig das wichtigste Thema überhaupt sein. Allerdings wollen wir ebenso den Finger in die Wunden legen, wo einfach blinder Übereifer herrscht.

Nehmen wir den Digitalisierungspakt für Schulen, den die Bundesregierung jetzt auf den Weg gebracht hat. Aktuelle Statistiken besagen, dass derzeit 95 Prozent aller Schulkinder ein Smartphone ihr eigen nennen. Wenn das stimmt, dann ergibt sich die Frage, ob die Mädchen und Jungen diesen Minicomputer nur mit sich rumtragen, ohne zu wissen, was man damit anfängt? Wohl kaum. Was also sollen speziell ausgebildete Lehrkräfte den Schülern beibringen? Wie man Facebook öffnet oder im Internet surft?

Natürlich ist mediale Bildung wichtig. Allerdings ist die Anschaffung eines Tablets keine mediale Bildung. Und was nützt ein Breitbandanschluss, wenn die Toiletten verstopft sind und es durchregnet? Das ist das, was man puren Aktionismus nennt.

In diesem Zusammenhang gibt es eine weitere interessante Statistik. Da wurde gefragt, welche Pflichtfächer sich die Deutschen für die Schüler wünschen. Fast unglaublich: Der Spitzenreiter hieß „Gutes Benehmen“. Selbst die Unterscheidung in den Altersklassen ist überraschend. Es sind nämlich nicht nur die „Alten“ über 55 Jahre, die sich das wünschen, nein, bei den 18- bis 24-Jährigen sind es ebenfalls 37 Prozent.

Vielleicht ist das ein Hinweis, eine Knigge-App zu entwickeln, die dann perfekt an den digitalisierten Schulen eingesetzt werden kann. Ein Schelm, der dabei analog lacht…