Luther und die roten Socken

„Hier stehe ich. Ich kann nicht anders.“ Und das auf einer roten Socke für 8,50 Euro! Das heißt, eigentlich auf zwei roten Socken, denn auf einer hätte vermutlich auch Luther nicht fast 500 Jahre so fest gestanden.

Und dennoch: Gab es da nicht mal eine Rote-Socken-Kampagne? Es mag schon sein, dass Luther für seine Zeit weit links stand, aber um das Gleichgewicht wieder herzustellen, gibt es ja noch die schwarzen Socken, auf denen „Here I stand. I can do no other“ steht. Gut so, auch wenn Luther die Bibel nicht ins Englische übersetzt hat, sondern ins Deutsche. Aber in Wittenberg ist man ja international, und die vielen Amerikaner, die da kommen, die wollen im kommenden Jahr den 500. Jahrestag des Thesenschlags natürlich in politisch korrekten Socken ihrer Muttersprache bestehen.

Socken

Luther ist für alles gut, und gut ist, was sich verkaufen lässt.
Für den Fall, dass, nicht den Fall schlechthin, kann er sich vielleicht am Luther-Aufsteller aus Pappe festhalten. Der steht, obwohl zur Karikatur degradiert, unverrückbar.
Und prompt gibt es Luther auch zum Essen, als Brot oder Kuchen, zum Trinken, auch wenn es Hochprozentiges ist. Einer geht immer noch auf Luthers Wohl. Und natürlich  zum Spielen mit dem Reformator in Plastik, denn auch die Kleinsten sollen was von Luther haben, wenn Papa in lutherisch roten Socken mit 40-prozentigem Luther abgefüllt durch Wittenberg schwankt. Nein steht, denn er kann ja nicht anders.

Für den Fall, dass, nicht den Fall schlechthin, kann er sich vielleicht am Luther-Aufsteller aus Pappe festhalten. Der steht, obwohl zur Karikatur degradiert, unverrückbar. Und falls es dann mit der Gattin Ärger gibt, auch Luther soll den hin und wieder mit seiner Gemahlin ausgetragen haben, dann hilft vielleicht die Kette mit Medaillon, die Gnädige wieder so zu stimmen, dass ihr dieser Titel gerecht wird. Natürlich guckt Luther aus dem Medaillon, streng und mahnend. Da hilft es dann schon, wenn man ihn ganz klein in einer Glashalbkugel sperrt. Ach ja, und als Kerze anzünden kann man ihn auch. Vielleicht geht dann dem einen oder anderen ein Licht auf?
„Ein williges Pferd soll man nicht zu viel reiten“, soll Luther gesagt haben. Ob er was geahnt hat?

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