Viel ist über das Leben des griechischen Ingenieurs und Physikers Heron von Alexandria nicht bekannt. Im ersten Jahrhundert vor Christus lebte er in der kosmopolitischen Stadt Alexandria und wirkte in der damaligen Forschungsstätte der berühmten Bibliothek. In seinen fragmentarisch überlieferten Schriften widmete sich Heron nicht nur mathematischen, optischen und mechanischen Themen, sondern auch der Konstruktion von Automaten.

 

Aeolipila oder Äolsball des Heron von Alexandria, Holzstich 1877. Foto: dpa

Selbstständig wechselnde Bühnenbilder, windgetriebene Orgelspiele oder ein Weihwasserspender (der nebenbei der älteste Warenautomat der Welt ist) – die Automaten waren durch ihre Genialität und ihren Fortschritt kaum mit anderen Konstruktionen zu vergleichen.

So zum Beispiel auch der Automat „Nr. 73“. Um aus den verschiedenen Kulten und Religionen im damaligen Alexandria hervorzustechen, benötigten die griechischen Priester Magie, die ihnen Heron lieferte: Mit Hilfe von Röhren, Behältern und Gewichten sowie dem Prinzip der Luftausdehnung durch Wärme konnten sich die Tempeltüren von selbst öffnen und schließen – ein Wunder für die damaligen Menschen!

 

Eine andere, scheinbar bahnbrechende Erfindung, war der sogenannte Äolsball, der als Vorläufer der Dampfturbine angesehen werden kann. Doch Heron hat diese Idee nicht weiterentwickelt. Was mag der Grund dafür gewesen sein, dass ein physikalisches Genie wie Heron das Potential dieser Erfindung nicht sah? War es nur ein Spielzeug, eine weitere Kuriosität? Oder waren es doch ökonomische Gründe, weil in einer Welt billiger und unerschöpflicher Sklavenarbeit kein Bedarf bestand für Maschinen, die die Arbeit erleichterten?

Die Geschichte von Heron und seinen Automaten verliert sich im folgenden Jahrhundert. Man kann nur spekulieren, doch die Welt wäre sicher eine andere, wenn das Prinzip einer Dampfmaschine schon 1800 Jahre früher genutzt worden wäre.