Bei einem vom Deutschen Zentrum Kulturgutverluste in Magdeburg geförderten Forschungsprojektes entdeckte die Stadtbibliothek Bautzen Bücher der jüdischen Unternehmerfamilie Edith und Georg Tietz wieder. Dabei handelt es sich um NS-Raubgut. Die Familie Tietz gründete einst die „Hermann Tietz & Co. Warenhäuser“ (HERTIE).

In der Stadtbibliothek Bautzen wurden Bücher der jüdischen Unternehmerfamilie Edith und Georg Tietz wiederentdeckt. Dabei handelt es sich um NS-Raubgut, das bei der jüdischen Familie Tietz, Gründer der „Hermann Tietz & Co. Warenhäuser“ (HERTIE), von den Nazis beschlagnahmt wurde. Foto: Deutsches Zentrum Kulturgutverluste

In der Stadtbibliothek Bautzen wurden Bücher der jüdischen Unternehmerfamilie Edith und Georg Tietz wiederentdeckt. Dabei handelt es sich um NS-Raubgut, das bei der jüdischen Familie Tietz, Gründer der „Hermann Tietz & Co. Warenhäuser“ (HERTIE), von den Nazis beschlagnahmt wurde.
Foto: Deutsches Zentrum Kulturgutverluste

Die Firma der Nachfahren der „Hermann Tietz & Co. Warenhäuser“ (HERTIE) wurde mit der nationalsozialistischen Machtübernahme 1933 arisiert und die drei Teilhaber, die Brüder Georg und Martin Tietz und deren Schwager Dr. Hugo Zwillenberg, 1934 aus der Unternehmensleitung gedrängt.

 

Nach der Emigration der Familien wurde deren Besitz beschlagnahmt, später versteigert und verkauft. Die bedeutende Büchersammlung des Ehepaares Edith und Georg Tietz erwarb 1944 die Reichstauschstelle des Reichsministeriums des Inneren und lagerte sie in einem ihrer sächsischen Außendepots in der Nähe von Bautzen ein. Mit Kriegsende verlor sich die Spur der Privatbibliothek und wurde bisher als Trophäengut der sowjetischen Besatzungsmacht in Russland vermutet.

 

Durch das Forschungsprojekt des Deutschen Zentrums Kulturgutverluste in Magdeburg  konnten Teile der über 4000 Bände zählenden Sammlung dem Ehepaar Tietz zugeordnet werden. Laut Max Niederlechner, der die Bibliothek 1943 im Auftrag des Oberfinanzpräsidiums Berlin-Brandenburg schätzte, war sie „eine der schönsten“, die er je geprüft hatte. Georg Tietz war als großer Liebhaber und Sammler der Werke des Kupferstechers Daniel Nikolaus Chodowieckis bekannt. Bücher über Chodowiecki und solche, die mit seinen Kupferstichen illustriert wurden, bilden einen Sammlungsschwerpunkt wie auch seltene und limitierte kunsthistorische Drucke. Romane der Weltliteratur, Schriften zur Ökonomie, Almanache und verschiedensprachige Bücher aus dem 18. und 19. Jahrhundert künden von einer gelehrten, kunstsinnigen Sammlerpersönlichkeit.

 

Über die genauen Zugangsumstände und den tatsächlichen Umfang der Sammlung können noch keine präzisen Angaben gemacht werden, jedoch sollen sie in einer eigenen Untersuchung erforscht werden. Dafür lässt die Stadt Bautzen gerade einen Antrag erarbeiten, um beim Deutschen Zentrum Kulturgutverluste eine Projektförderung zu beantragen.

 

Ziel des Forschungsprojekts ist es, die eigenen Bibliotheks-Bestände systematisch auf unrechtmäßig in den Bestand gelangte Bücher zu untersuchen. „Ich freue mich, dass durch unsere Förderung dieser bedeutende Fund gelungen ist und hoffe sehr, dass weitere Bände aus der Bibliothek von Edith und Georg Tietz sehr bald auch an anderen Orten identifiziert werden können“, sagte Uwe Hartmann, Leiter des Fachbereichs Provenienzforschung beim Deutschen Zentrum Kulturgutverluste.