Ein Landwirt fährt mit seinem Kettentraktor in der Börde bei Egeln über ein Feld. Im Herbst werden die Ackerflächen für die neue Aussaat vorbereitet. Nach dem Pflügen wird der Boden mit einer Egge bearbeitet, bevor die Wintersaat in den Boden kommt. Foto: Peter Gercke/dpa

Der Bauernverband „Börde“ e.V. ist mit seinen 255 Mitgliedern der bedeutendste Regionalverband im Bauernverband Sachsen-Anhalt. Der Bördekreis hat eine landwirtschaftliche Nutzfläche von fast 150 000 Hektar mit unterschiedlichen Standorten für die landwirtschaftliche Produktion.

 

Der Nordkreis ist durch sandige Standorte geprägt, während sich im Süden die Börde mit ihren fruchtbaren schwarzerdigen Äckern befindet. Hauptanbaukulturen sind Getreide, Raps, Mais, Zuckerrüben und Kartoffeln. Die aktuellen Tierbestände im Bördekreis sind mit mehr als 37 000 Rindern, fast 221 000 Schweinen und 8.100 Schafen bedeutend.

Die Landwirte versorgen die Bevölkerung mit qualitativ guten und sicheren Lebensmitteln zu auskömmlichen Preisen. Außerdem erhalten und pflegen sie die Kulturlandschaft und haben einen erheblichen Anteil bei der Umsetzung der Energiewende. Sie tragen den Hauptanteil am Steueraufkommen und sind gleichzeitig der größte Arbeitgeber im Landkreis.

Mit einem traditionellen Rinderrouladen-Essen klang der diesjährige Verbandstag des Bauernverbandes “Börde” e.V. Ende Februar aus, aber das war natürlich nicht der wichtigste Punkt, denn die Bauern vor Ort hatten zahlreiche wichtige Fragen, über die sie sich bei diesem wichtigsten Jahrestreffen in der Agro Bördegrün GmbH & Co. KG in Niederndodeleben austauschten.

aspekt wollte von Verbandsvorsitzenden Urban Jülich und dem Geschäftsführer des Bauernverbandes „Börde“ e.V. mehr zu diesen inhaltlichen Fragen wissen.

 

Urban Jülich ist der Vorsitzende des Bauernverbandes „Börde“ e.V..
Foto: Bauernverband

aspekt: Was waren die wichtigsten Ergebnisse ihres Verbandstages?

 

Urban Jülich: Im Mittelpunkt stand natürlich die Landespolitik, die ihrerseits großes Interesse an der Entwicklung im ländlichen Raum zeigt. Die Landwirtschaft als bedeutenden Wirtschaftsfaktor zu erhalten und weiter zu entwickeln, ist dabei eine existenzielle Frage.

 

aspekt: Milchpreise sind ein Dauerbrenner-Thema. Immer wieder ist von staatlichen Vorgaben zum Milchpreis die Rede. Ist das eine Lösung?

 

Wolfgang Köhler: Nein, das ist selbstredend keine Lösung. Der Staat sollte aus unserer Sicht lieber die Bürokratie bei unseren Milchbauern abbauen, damit die sich auf ihr Kerngeschäft konzentrieren können.

 

aspekt: Wie kommt man nach ihrer Meinung zu einer Vergütung für die Milch, mit der alle leben können?

 

Wolfgang Köhler: Kernpunkt sind die Lieferbeziehungen zwischen den Milchbauern und den Molkereien. Sie sollten endlich so gestaltet werden, dass man von fairen und vor allem marktorientierten Bedingungen ausgehen sollte. Das ist längst überfällig.

 

aspekt: Es gibt Streit mit der EU-Kommission zum Thema „Ökologischer Landbau“. Warum?

 

Wolfgang Köhler ist Geschäftsführer des Bauernverbandes „Börde“ e.V. Foto: Bauernverband Börde

Wolfgang Köhler: Der Streit geht um die Revision der EU- Ökoland-Verordnung. Schwerpunkte dabei sind die Vorsichtsmaßnahmen gegen Kontaminierungen mit Pestiziden, die so genannte erdgebundene Gewächsproduktion, Öko-Saatgut und Jungtier-Datenbanken, die bessere und harmonische Umsetzung der Öko-Kontrollen sowie des Informationsaustausches.

 

aspekt: Sie befürwortet eine Zukunftsstrategie ökologischer Landbau, die von Praktikern erarbeitet wurde. Was ist neu an dieser Zukunftsstrategie?

 

Wolfgang Köhler: Es geht um eine einheitliche EU- Ökolandbau-Verordnung, für die insbesondere einheitliche Grenzwerte festzulegen sind.

 

aspekt: Im zurückliegenden Jahr gab es ein sehr erfolgreiches Projekt „Grünes Erleben – Bauernhof als Klassenzimmer“ in ihrer Verbandsregion. Wird diese Aktion für Schüler als Berufsnachwuchs fortgesetzt?

 

Urban Jülich: Das erfolgreiche Projekt „Grünes Erleben – Bauernhof als Klassenzimmer“ wird 2017 fortgesetzt. Im letzten Jahr besuchten 40 Schulklassen insgesamt 18 landwirtschaftliche Betriebe, informierten sich über die interessanten Berufsaussichten und hatten auch einmal direkten Kontakt mit einem möglichen Arbeitsumfeld

 

aspekt: Digitalisierung in der Landwirtschaft ist ein großes Thema. Ist der Breitbandausbau im ländlichen Raum, wie von der Landesregierung Sachsen-Anhalts angedacht, zukunftsfähig?

 

Urban Jülich: Natürlich ist der Ausbau gerade im ländlichen Raum eine wichtige Zukunftsaufgabe. Allerdings sollte das in Sachsen-Anhalt nach einem einheitlichen System erfolgen und von vornherein so angelegt sein, dass es auch in zehn oder 15 Jahren noch den Anforderungen genügt.