Dieser Artikel ist der dritte Teil des Berichts „Digitalisierung kann Ärzte nicht ersetzen“ über den momentanen Stand des Gesundheitssystems in Sachsen-Anhalt und Deutschland. Den kompletten Bericht finden Sie auch in der Februar-Printausgabe von aspekt.  

„Was glauben sie, wie viel Stück Zucker sind wohl in so einem Energy-Drink“, fragte Dr. Carsten Hünecke, Präsident der Zahnärztekammer Sachsen-Anhalt, und hielt eine kleine Dose des Getränks in die Höhe. „Es sind 17“, löste er die Frage auf.

„Der direkte Zusammenhang zwischen Zuckerkonsum und steigendem Kariesrisiko ist erwiesen und übermäßiger Zucker in Lebensmitteln, besonders in Softdrinks ist ungesund und befördert die größte Infektionskrankheit der Welt – Karies“, warnte er.

Die Karies ist in Sachsen-Anhalt besonders im Kleinkindalter leider ein ernstzunehmendes Thema. Bei den unter Dreijährigen hat etwa jedes zehnte Kind Karies an den Milchzähnen. „Das Problem ist, dass etwa 20 Prozent der betroffenen Kinder 80 Prozent der Schäden tragen“, sagte Dr. Hünecke. Und die sind nicht zu unterschätzen: Kinder brauchen gesunde Milchzähne, um richtig kauen und sprechen zu lernen, zudem sind sie Platzhalter für die bleibenden Zähne. Neben der gründlichen Zahnpflege und den regelmäßigen Zahnarztbesuchen spielt natürlich auch die gesunde Ernährung und insbesondere die Reduktion des Zuckerkonsums eine Rolle. In Deutschland sind nach einer Studie des Robert Koch-Institutes zur Gesundheit von Jugendlichen und Kindern fast 15 Prozent der Kinder übergewichtig – mehr als jedes siebte Kind.

Deshalb begrüßt der Kammerpräsident die von der Bundesregierung Ende Dezember beschlossene „Nationale Reduktions- und Innovationsstrategie für Zucker, Fette und Salz in Fertignahrungsmitteln“, allerdings nicht ohne Einschränkungen. Die Lobbyisten der Ernährungsindustrie haben ganze Arbeit geleistet. Herausgekommen ist eine freiwillige Selbstverpflichtung der Industrie, u. a. den Gehalt von Zucker in Frühstückscerealien für Kinder um mindestens 20 Prozent zu senken. Erfrischungsgetränke und Kinderjoghurts sollen bis 2025 mindestens 15 Prozent beziehungsweise zehn Prozent weniger Zucker enthalten.

Angesichts der Zuckermengen in den Nahrungsmitteln sind 15 oder zehn Prozent ein Tropfen auf den heißen Stein.

Lebensmittel für Kleinkinder sollten deutlich zuckerreduziert und mit einer klaren Kennzeichnung speziell für Zucker versehen sein. Zuckerhaltige Lebensmittel für Kleinkinder sollten Beschränkungen bei der Lebensmittelwerbung unterliegen. Standards für gesunde Schul- und KiTa-Verpflegung sind notwendig und müssen verbindlich umgesetzt werden.

Auf stark zuckerhaltige Softdrinks sollte der Gesetzgeber Sonderabgaben vorsehen. Neben 38 Staaten auf der Welt hat es Großbritannien 2018 vorgemacht. Dort wurde die Zuckersteuer auf Softdrinks eingeführt. Mehrere große Getränkehersteller haben daraufhin den Zuckergehalt ihrer Limonaden drastisch verringert.

Und auch hausgemachte Fehler bemängelte der Kammerpräsident der Zahnärzte. So hat Sachsen-Anhalt in seinem noch nicht in Kraft getretenen Kinderförderungsgesetz das verbindliche Zähneputzen in Kitas nicht geregelt. Da müsse unbedingt nachgebessert werden, unterstrich Dr. Hünecke.