Die Zukunft wird gut, sobald die Gegenwart weh tut. Dies gilt vor allem für den Klimawandel. Länder, deren Existenz vom Klimawandel bedroht ist, werden viel dafür tun, dass Maßnahmen zur Verlangsamung des Klimawandels ergriffen werden. Andere Länder, denen es noch zu gut geht, werden Maßnahmen ergreifen, wenn die Einsicht erlangt wurde, dass es so nicht weiter gehen kann.

 

Pierre Kurby hat „Philosophie-Neurowissenschaften-Kognition“ an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg studiert und ist heute mit einem Startup-Projekt „So sprechen Machdeburjer“ als Unternehmer sehr erfolgreich. Foto: aspekt

Pierre Kurby hat „Philosophie-Neurowissenschaften-Kognition“ an der Otto-von-Guericke-Universität in Magdeburg studiert und ist heute mit einem Startup-Projekt „So sprechen Machdeburjer“ als Unternehmer sehr erfolgreich.
Foto: aspekt

Die erste Schlussfolgerung für die Zukunft lautet: Damit sich etwas ändert, muss die Menschheit noch mehr Gas geben. Der Klimawandel wird von den Menschen erst ernst genommen, wenn er an ihre Haustür klopft. Das kann durch Hochwasser, Stürme, Wasserknappheit, Smog, warme Winter oder neue Insekten geschehen.

Die Zukunft wird gut – trotz und wegen – der menschlichen Natur. Die Anpassungsfähigkeit von Menschen ist groß und in der Geschichte wurde sie immer wieder unter Beweis gestellt. Jedoch sollte eines größer sein – die Einsicht der Menschheit, dass Katastrophen verhindert werden können, wenn früh genug etwas getan wird. Dafür muss mit offenen Karten gespielt werden.

 

Die Zukunft gehört mir, mir, mir

 

Die Zukunft gehört dem Individuum. Schon jetzt leben wir – zumindest in der digitalen Welt – in Räumen, die genau auf unsere Wünsche und Bedürfnisse abgestimmt sind. Auf Facebook werden Anzeigen und Nachrichten dargestellt, die wir mögen, und Google liefert Ergebnisse, die uns gefallen könnten. Das Leben beginnt, sich von einer gemeinsamen Öffentlichkeit zu entfernen, und jeder begibt sich – zu einem Teil – in eine Filterblase.

Das Auflösen einer gemeinsamen Öffentlichkeit hat schon stattgefunden. Während  die Tagesschau vor vielen Jahrzehnten noch große Teile der Bevölkerung erreicht hat und konkurrenzlos Informationen anbot, so ist die Informationsbeschaffung heute unendlich breiter. Wer will, kann in der digitalen Welt unzählige und vielfältige Nachrichten – mit unklarem Wahrheitsgehalt – lesen; und die Tagesschau ignorieren.

 

Die Filterblase ist eine Wohlfühlblase,  denn hier werden nur Informationen angezeigt, die mir gefallen. Eine Herausforderung meiner Weltsicht findet nicht statt, und das ist auch so gewollt. Denn Informationen, die das Individuum verstören, lassen es seine Welt hinterfragen.

Die zweite Schlussfolgerung für die Zukunft lautet: Die Zukunft wird erst gut, wenn wir bewusst unsere Komfortzone verlassen. Jeder Mensch sucht Bestätigung für seine Sicht auf die Welt. Jeder Mensch meidet Informationen, die seinem Weltbild widersprechen. Wenn wir weiterhin Teil dieser Realität bleiben wollen, so sollten wir bewusst Informationen suchen und aufnehmen, die nicht perfekt in unsere Weltsicht passen.

 

Herausforderung – Erkenne dich selbst

 

Die Zukunft wird eine Herausforderung – das war sie schon immer. Nur heute haben Menschen mehr Möglichkeiten, sich schlechten Teilen der menschlichen Natur hinzugeben: Sie sind faul, kurzsichtig und konfliktscheu. Sie suchen, was ihre Weltsicht bestätigt und meiden, was widerspricht oder unangenehm ist. Sie konsumieren ohne Rücksicht.

Die ernüchternde Erkenntnis lautet:

Die menschliche Natur kann nicht überwunden werden. Sie kann nur erkannt werden.

Die Zukunft gehört den Menschen, die mutig sind, Visionen haben und sich ihren eigenen Schwächen stellen. Die große Herausforderung für die nächsten Jahre ist, zu erkennen, an welchen Stellen wir uns gehen lassen und durch Faulheit glänzen, an welchen Stellen wir mutig sein sollten und uns gegen den Komfort entscheiden.

 

Pierre Kurby