Vertrauen hält die Welt zusammen

Wir alle gehen täglich damit um, tragen es in den Taschen, mal zerknüllt, mal druckfrisch, mal als Metall und mal als Papier. Doch kaum jemand macht sich Gedanken darum, womit er da so umgeht. Die Rede ist von Geld. Ob als Schein oder in Münzen. Was ist das eigentlich, was wir da täglich in den Händen halten?

Nimmt man einen Geldschein, dann hat man streng genommen lediglich ein bunt bedrucktes Stück Papier in der Hand, auf dem eine mehr oder minder große Zahl prangt. Auf diese Zahl kommt es an, denn ihre Größe bestimmt den Wert des Stücks Papier. Dabei sind die Papierstücke vermutlich fast nichts wert, dennoch vertrauen praktisch alle darauf, dass sie dafür eine Leistung, ein Produkt, Sicherheit, Ansehen, ja vielleicht sogar Zuneigung erhalten, dass man sie beneidet, wenn sie möglichst viele Papierstücke haben.

Das entscheidende Stichwort heißt Vertrauen. Aber wem vertraut man da? Wie entsteht eigentlich Geld, und wie vermehrt es sich?

Dazu gibt es eine kurze Geschichte. Ein Pilger kommt in ein Dorf, deren Bewohnern es schlecht geht. Die Dorfkneipe steht kurz vor der Schließung, denn es ist kein Geld für Lebensmittel da, um zu kochen, oder Bier für den Ausschank zu kaufen. Der Pilger fasst in die Tasche, holt einen Tausendmarkschein heraus und bittet den Wirt, den für ihn aufzubewahren. In frühestens einem Jahr werde er zurückkommen und ihn wieder abholen.

Kaum ist der Pilger weg, wägt der Wirt den Geldschein und entscheidet: Jetzt wird investiert. Ich habe mindestens ein Jahr Zeit. Er kauft Bier und Fleisch in der örtlichen Brauerei und beim Fleischer des Dorfes. Die Leute kommen zum Gastwirt, essen und trinken. Die Brauerei macht ein gutes Geschäft, der Fleischer kauft dem Bauern zum Schlachten das Vieh ab. Im Dorf bewegt sich was, es geht vorwärts, und alle sind zufrieden.

Und wie es so geht, verliebt sich die Tochter des nun wohlhabenden Bauern in den Sohn des Gastwirts, der inzwischen auch neue Tische und Stühle beim Schreiner gekauft hat, um eine große Hochzeit auszurichten. Als die Feier auf dem Höhepunkt ist, kommt der Pilger und fragt nach seinem Tausendmarkschein, den der Wirt gerade dem jungen Paar als Mitgift geben wollte. Mit hochrotem Kopf gesteht er dem Pilger, dass er den Schein benutzt habe.

Der Pilger lacht, nimmt den Geldschein, zerreißt ihn und sagt: „Macht nichts. Er war sowieso falsch.“

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Wie kann es sein, dass ein ganzes Dorf auflebt und sich entwickelt, dank eines Stücks Papier, das eigentlich wertlos war? Es war der Glaube an den Wert, den das Papier verkörpern würde, der Glaube und das Vertrauen – nicht mehr und nicht weniger.

Was man aus der Geschichte lernen kann, ist die Tatsache, dass Geld gar kein Tauschmittel ist, wie man gern immer wieder behauptet, weil man einen realen Wert nicht gegen einen fiktiven Wert tauschen kann, sondern Geld ist ein Versprechen. Das Versprechen, dass man gegen diese Urkunde mit der Zahl etwas einfordern kann, was dem Wert entspricht.

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