Dieser Artikel ist der erste Teil des Berichts „Digitalisierung kann Ärzte nicht ersetzen“ über den momentanen Stand des Gesundheitssystems in Sachsen-Anhalt und Deutschland. Den kompletten Bericht finden Sie auch in der Februar-Printausgabe von aspekt.  

Das Gesundheitswesen in Deutschland, und damit auch in unserem Bundesland, gehört mit zu den besten in der Welt. Und dennoch: Es knirscht an den Schaltstellen, vieles ist gut gemeint, aber schlecht gemacht. Die Medikamentenversorgung ist längst nicht so stabil, wie man glaubt. Es fehlen Ärzte auf dem Lande, die Digitalisierung ist ein Hilfs-, aber kein Heilmittel.

Unmittelbar vor ihrem Neujahrsempfang trafen sich die Spitzen der Heilberufsverbände und der Körperschaften des öffentlichen Rechts, um bei einer Pressekonferenz in erfrischender Offenheit von den Dingen zu berichten, die sie in ihrem jeweiligen Fachgebiet drücken. Und das sind nicht wenige. Also: Wie krank ist das Gesundheitswesen in unserem Land?

Vorausschicken muss man, dass nicht alles hausgemacht ist, was nicht funktioniert. Etliche gesetzliche Regelungen kommen aus Berlin und lösen auch in Sachsen-Anhalt häufig Kopfschütteln aus. Vieles ist gut gewollt, aber schlecht gemacht.

Dr. Simone Heinemann-Meerz, Präsidentin der Ärztekammer Sachsen-Anhalts, sprach klare Worte. Sie warnte vor der Übernahme medizinischer Einrichtungen durch Fremdinvestoren, die vor allem Renditeinteressen haben. Ein Beispiel seien die Medizinischen Versorgungszentren, deren Zahl sich in Sachsen-Anhalt in den letzten fünf Jahren sprunghaft auf 76 verdoppelt hat. Die Politik hat die Möglichkeit geschaffen, dass durch den Zusammenschluss von mindestens zwei Ärzten ein solches Zentrum gründungsfähig ist. Diese arbeiten dann wie ein wirtschaftliches Unternehmen, eine GmbH oder eine Aktiengesellschaft. Folglich können sie wie ein ganz normales Unternehmen auch von Investoren gekauft und betrieben werden. In Investorenkreisen hat man längst entdeckt, dass das deutsche Gesundheitswesens satte Profite verspricht.

Ärztekammerpräsidentin Heinemann-Meerz verteidigt ihre Kollegen. Niemand zweifle an der Integrität der dort arbeitenden Ärzte, die alles ihrem Ethos und ihrem Schwur gemäß zum Wohle der Patienten tun. Trotzdem ist nicht auszuschließen, dass der Druck der Träger, die mitunter auch private Krankenhäuser sind, Auswirkungen hat.