Man glaubt es nicht: Ein Mönch hat vor 800 Jahren für seine Bibelverse Pergamentseiten gebraucht. Da war ein Buch in der Bibliothek, dessen Inhalt er sowieso nicht verstand. Also riss er die Seiten heraus, versuchte mit Wasser und Schwamm den Text wegzuwischen und überschrieb diesen.
Aber der Urtext ließ sich nicht völlig entfernen.

Archimedes

Nach einer krimireifen Geschichte der Bibelverse fielen die Seiten nun zufällig Wissenschaftlern in die Hände, die mit modernen technischen Mitteln den Ursprungstext wiedererstehen ließen.
Als sie das Ergebnis sahen, stockte ihnen der Atem. Es waren Originalaufzeichnungen mathematischer Überlegungen von Archimedes, in den er die Grundzüge des Hauptsatzes der Integral- und Differentialrechnung entwickelte – mehr als 2000 Jahre alt.
Man bedenke: Erst 1800 Jahre nach Archimedes hat man die Differential- und Integralrechnung wiederentdeckt. Leibniz fand den Satz 1677, er schrieb ihn im Wesentlichen in der heutigen Notation nieder.
Seine moderne Form erhielt der Satz durch Augustin Louis Cauchy, der als Erster eine formelle Integraldefinition sowie einen Beweis mit Hilfe des Mittelwertsatzes entwickelte. Enthalten ist dies in seiner Fortsetzung von Cours d’Analyse von 1823. Im Laufe des 19. Jahrhunderts fand man die Erweiterungen auf höhere Dimensionen. Henri Léon Lebesgue erweiterte dann 1902 den Fundamentalsatz mit Hilfe seines Lebesgue-Integrals auf unstetige Funktionen.